Eier mit zwei Dottern entstehen auf folgende Weise: Im Eierstock des Huhns reifen Eizellen heran. Aus ihnen werden sogenannte Dotterkugeln, von denen das Huhn gewöhnlich jeweils eine in ein Ei "einbaut". Manchmal aber auch zwei. Das passiert besonders häufig bei jungen Hennen, bei denen der ganze Ablauf noch nicht so eingespielt ist. Dann werden diese beiden Dotterzellen zusammen in Eiklar gepackt und mit einer Kalkschale umhüllt. Und wenn sie – anders als die Eier im Laden – von einem Hahn befruchtet worden sind, dann wachsen tatsächlich zwei Embryonen heran. Zweieiige Zwillinge im Inneren eines Eis.

Nun gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen einer menschlichen (oder Säugetier-) Schwangerschaft und dem Heranwachsen eines Kükens im Ei: Erstens hat das Ei eine harte Schale, kann sich also nicht einfach mal ausdehnen, um Platz für zwei Küken zu machen. Und zweitens sind die Nährstoffe im Ei endlich – es ist für die Dauer von drei Wochen nur das vorhanden, was von vornherein im Ei eingeschlossen wurde. Das heißt, die beiden Embryonen konkurrieren von Anfang an um Platz und Nährstoffe – oft vergebens: Statt zu fertigen Küken heranzuwachsen, sterben in den meisten Fällen beide.

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Und selbst wenn sie wie durch ein Wunder bis zum Schlüpftermin überleben, beginnt dann der große Kampf: Die Küken konkurrieren um die kleine Luftblase im Ei, um während der letzten Entwicklungsphase atmen zu können. Selten gelingt es ihnen, ihre Schnäbelchen gemeinsam in die winzige Luftkammer zu stecken.

Aber hin und wieder ereignen sich außerordentliche Dinge in der Welt, und manchmal ist dann sogar jemand mit einem Handy zur Stelle und filmt das Phänomen. Auf YouTube findet man Videos, in denen tatsächlich zwei Küken mit menschlicher Hilfe aus einem Ei gepellt werden und überleben. Eine Art Eier-Kaiserschnitt.

Doch ohne Menschenhand wäre das wohl kaum möglich – denn die Natur hat eigentlich keine Zwillingsküken vorgesehen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 27 vom 02.07.2015.

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