1(1) Merle Kröger: Havarie;
Ariadne bei Argument, 256 S., 15,– €.

Mittelmeer, das Mare Nostrum. Eine Beinahe-Kollision: unten ohne Sprit das Schlauchboot der algerischen Flüchtlinge, oben auf der Spirit of Europe die Kreuzfahrtgäste, die das Spektakel knipsen. "Festung Europa" als Schurke, Wimmelbild der Migration, Roman der Stunde.

2(3) Sara Gran: Dope
Aus dem Englischen von Eva Bonné; Droemer, 256 S., 12,99 €.

Manhattan 1950. Eins ist klar für Ex-Junkie und Taschendiebin Joe: Sie bleibt clean. Da passt es, dass sie in der Drogenszene von New York ein abgängiges Töchterchen finden soll. Besser einen Tausender von Spießer-Eltern annehmen als Rückfall, Armut oder Tod. Sara Gran macht Noir neu.

3(–) Don Winslow: Das Kartell
Aus dem Englischen von Chris Hirte; Droemer, 832 S., 16,99 €.

Mexiko 2005–2014. Der Drogenkrieg geht weiter, der Schauplatz verlagert sich. In Tage der Toten gab Art Keller den General Custer an der US-Grenze bei Tijuana. Jetzt, sein Intimfeind Adán Barrera ist aus dem Knast zurück, schmiert Keller die Mordmaschinen in Mexiko. Zum fruchtlos bitteren Ende.

4(2) Dominique Manotti: Abpfiff
Aus dem Französischen von Andrea Stephani; Ariadne bei Argument, 230 S., 17,– €.

Lisle-sur-Seine 1990. Inspecteur Romero und eine Nadine Speck werden abgeknallt. Commissaire Daquin will den Mörder seines Kollegen zur Rechenschaft ziehen und zerrt an den Netzwerken von Lokalpolitik, Sport und Geld. "Die Träume der Banlieue sind unantastbar." Denkste.

5(5) Gary Victor: Soro
Aus dem Französischen von Peter Trier; litradukt, 144 S., 11,90 €.

Port-au-Prince 2010. Haiti braucht einen Kerl wie Dieuswalwe Azémar. Als er die Frau seines einzigen Freundes und Chefs vögelt, stürzt das Hotel ein: Orgasmus plus Erdbeben. 200.000 Tote. Alles ist im Arsch, sogar Soro, der Schnaps der Ärmsten, ist verdorben. Höllentrip, Wutrausch, Victor!

6(–) Carol O’Connell: Kreidemädchen
Aus dem Englischen von Judith Schwaab; btb, 541 S., 9,99 €.

Manhattan. Aus dem finstersten Winkel des Central Park taucht ein Elfenkind auf. Blut ist von den Bäumen getropft. Ein Fall für Kathy Mallory, die soziopathische Superpolizistin. Nur die irregulären Außenseiter haben eine Chance gegen die herrschende Blase. O’Connell: eine der besten Kriminalschriftstellerinnen der Welt.

7(–) Roger Smith: Leichtes Opfer
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann; Tropen, 334 S., 19,95 €.

Kapstadt. Als der Brutalo-Sohn von Mike und Bev Lane ein Mädchen erschlägt, fliegt die Glamour, Geist und Geld verknotende Weißen-Familie bei der Vertuschung des Mordes auseinander. Mikes Illusion einer paternalistischen Integration des schwarzen Personals zerstiebt an blutiger Rache.

8(–) Wu Ming: 54
Aus dem Italienischen von Klaus-Peter Arnold; Assoziation A, 526 S., 24,80 €.

1954, Italien, Hollywood, Jugoslawien. Das Autorenkollektiv Wu Ming schreibt Geschichte um: von unten, von oben, folgt der Traumschiene Rebellion. Aus einer Proletarierkneipe in Bologna, mithilfe Cary Grants und Lucky Lucianos. Ein Kriminal-Spionage-Gangstermärchen gegen die Tristesse des Kalten Kriegs.

9(8) James Ellroy: Perfidia
Aus dem Englischen von Stephen Tree; Ullstein, 956 S., 25,– €.

Los Angeles 1941. Am Tag vor Pearl Harbor wird die Farmerfamilie Watanabe rituell aufgeschlitzt. Zwei weiße Cops, ein US-japanischer Forensiker und ihrer aller It-Girl Kay Lake krabbeln spermienhaft durch Kriegs- und Rassenwahn, Immobilienschwindel und Mord. Ziel: Erlösung/Lust. Ellroy back to his roots.

10(–) Antonin Varenne: Die sieben Leben des Arthur Bowman
Aus dem Französischen von Anne Spielmann; C. Bertelsmann, 560 S., 22,99 €.

Birma, England, Wilder Westen 1852–1864. Zehn Mann haben Folter und Gefangenschaft in Birma überlebt. Einer von ihnen ist der Mörder, der in der zivilisierten Welt Opfer mit zerschnittenen Rücken hinterlässt. Sergeant Bowman jagt ihn und ihr gemeinsames Trauma. Großes, interkontinentales Abenteuer.