Wäschetrockner sind praktisch. Man muss die Wäschestücke nicht einzeln auf die Leine hängen, und sie kommen glatt und flauschig aus der Maschine. Aber schon die Tatsache, dass man nach jedem Trockendurchgang eine Handvoll Flusen aus dem Flusensieb entfernen muss, sollte nachdenklich machen.

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Sind diese Flusen vielleicht nur lose Fusseln, Staub und Haare, also Zeug, das man ohnehin nicht in der Wäsche haben will? Ein Internetnutzer (oder eine Nutzerin) mit dem Kürzel Uttio berichtet in einem Forum von einem fast schon wissenschaftlichen Versuch, den er gemacht hat: Vier Kilo Wäsche hat er schrittweise im Trockner getrocknet und dann alle 20 Minuten die Flusen gewogen. Die Flusenrate ging zwar mit der Zeit auf ein Zehntel des Anfangswerts zurück, blieb dann aber konstant. Offenbar werden ständig Fasern von den Textilien abgerieben. Und als er die Wäsche wieder feucht machte und erneut trocknete, schnellte der Fusselwert abermals hoch. Fazit: Pro Trockenvorgang bleibt ein Promille der Textilsubstanz im Sieb.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 28 vom 09.07.2015.

Das mag wenig klingen, aber es hat Folgen: In einer regelrechten Studie, veröffentlicht 2000 im Textile Research Journal, stellte sich heraus, dass sich die Zugfestigkeit von Baumwolle nach nur 20 Trockenzyklen bei 65 Grad halbiert. Trocknet man kalt, verringert sie sich um ein Viertel. Der Stoff wird nicht nur dünner, sondern zerfällt regelrecht. Man sollte sich also überlegen, ob man seine guten Stücke wirklich der Maschine anvertraut. Besser ist es, sie auf der Leine zu trocknen. Auch für die Umwelt.

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