Wie heißt noch mal die Organisation, die nach eigenen Aussagen Bildung, Gesundheit und Nachhaltigkeit verbessert und die Lebensqualität auf der ganzen Welt erhöht? Die jeden Tag mehr als eine halbe Million Dollar in Entwicklungshilfe steckt? Deren Mission eine bessere Zukunft für die gesamte Menschheit ist? Nein, das sind nicht die Vereinten Nationen. Der größte Weltverbesserer ist – die Fifa.

Unter ihrem Präsidenten Joseph Blatter ist sie zu einem Global Player geworden, nach dessen Pfeife mächtige Industrienationen und erfolgreiche Weltkonzerne willfährig tanzen. Auch sie wollen von der Begeisterung, die das Spiel freisetzt, um jeden Preis profitieren. Im Windschatten der WM-Vergabe werden mit aller Macht geopolitische und ökonomische Interessen verhandelt; bislang unwidersprochen ist Blatters Behauptung, vor allem Deutschland habe sich (unter anderem durch den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff) massiv für die WM 2022 in Katar eingesetzt – weil dort lukrative Geschäfte auf die deutsche Wirtschaft warteten. Herbert Hainer, Chef des Sportartikelherstellers adidas, wünscht sich übrigens eine Fußballregierung mit Michel Platini an der Spitze – auch der Franzose hat für den Wüstenstaat votiert, und sein Sohn hat dort einen lukrativen Job gefunden. An der Spitze des europäischen Verbands solle doch bitte Wolfgang Niersbach stehen, mit dessen DFB Hainers Konzern seit Jahrzehnten prächtig kooperiert.

Deshalb ist es auch kein Routinetermin, wenn sich am Montag die 24 Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees zu einer außerordentlichen Sitzung treffen. Hier plant die Regierung einer Weltmacht ihre Zukunft. Laut Agenda geht es um die Vorbereitung des Kongresses, auf dem ein neuer Präsident gewählt werden soll. Diese Wahl sei jedoch nur ein "Nebenschauplatz", ließ Amtsinhaber Blatter soeben verlauten. Obwohl er vor dem Hintergrund diverser Korruptionsermittlungen in den USA und der Schweiz angekündigt hat, seinen Platz zu räumen, will er die ihm verbleibende Zeit nutzen, um die Fifa gegen jede Kritik immun zu machen. Geplant ist eine Art Putsch von oben: Eingebrockt haben ihm den ganzen Ärger die Mitglieder des Exekutivkomitees, die in ihren "heimischen Gefilden sich auf Kosten des Fußballs bereichern wollen" (Blatter). Deshalb sollen sie zukünftig nicht einfach von ihren Verbänden entsandt, sondern einer Leumundsprüfung unterzogen und vom Fifa-Kongress gewählt werden.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 29 vom 16.07.2015.

Was nach einer vorbildlichen Demokratisierung der Verhältnisse klingt, ist aber kaum mehr als der Versuch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Denn die 209 Mitglieder des Kongresses, die als Vertreter aller Mitgliedsländer das sogenannte "Fußball-Parlament" bilden, sind auch nichts anderes als gewiefte Funktionäre. Einziger Unterschied zur "Regierung": Sie wählen den Präsidenten, sind also seit Jahrzehnten Blatters zuverlässige Machtbasis. Hier zeigt sich das ganze taktische Geschick des ewigen Sepp: Gelingt ihm der Putsch von oben, hat er seine Züricher Burg wasserdicht kalfatert. Seine schärfsten Kritiker im Exekutivkomitee sind plötzlich abhängig von der Gunst der Blatter-Getreuen, und potenzielle Gegenkandidaten werden von der Fifa-eigenen Ethikkommission gecheckt, die schon bisher zu kaum einem unabhängigen Urteil fähig war. Nicht auszuschließen also, dass Blatter nach seinem vermeintlichen Rücktritt noch einmal gewählt würde – weil sich niemand traut, gegen ihn anzutreten. Vorsorglich hat Blatter schon einmal verkündet, dass er das Kandidieren für ein Menschenrecht halte, das durch keine Altersbegrenzung eingeschränkt werden sollte.

Wäre seine Wiederwahl überhaupt so schlimm? Deutschland profitiert von einer WM in Katar, so wie es Saudi-Arabien nützte, bei der Vergabe der WM 2006 seine Stimme den Deutschen zu geben. Die Sponsoren erhalten für ihr Geld mehr Aufmerksamkeit, als sie auf jedem anderen Feld erzielen könnten. Aus dem Fifa-Geldtopf werden in aller Welt neue Plätze, Trikots, Busse und Ausbildungsprogramme finanziert. Der Begeisterung der Fans in den Stadien und vor den TV-Geräten schadet die Politisierung und Ökonomisierung ihres Lieblingssports nicht, die Zu- und Aufbereitung des Produkts wird immer besser.

Und am Ende wird derjenige, der sich mit moralischen Bedenken quält, einfach mit dem Fairplay-Preis der Fifa ausgezeichnet.

Weltfußballverband - Wer soll Fifa-Präsident werden?