Ich komme aus einer ländlichen Gemeinde in Oberösterreich, aus Edt bei Lambach. Früh wurde ich zum Weltenbummler und landete irgendwann als Tourist in Australien. Dort arbeitete ich für Kleinbauern und lernte das Konzept der Permakultur kennen. Nach Österreich zurückgekehrt war bald klar, dass ich da nicht bleiben wollte. Es war mir zu kalt, zu dicht besiedelt und zu kleinkariert. Wesentlicher war aber folgende Überlegung: um eine Selbsterhalter-Existenz im Sinne der Permakultur zu führen, müsste man alles Gemüse und Obst innerhalb weniger Monate anbauen, um den Rest des Jahres von Vorräten zu leben. Da lagen die Tropen nahe: Nahrungsmittel gedeihen das ganze Jahr über, und nirgendwo gibt es mehr Sonnenenergie. So kam ich vor sieben Jahren mit meiner damaligen Partnerin nach Australien.

Der Einwanderungsprozess war so hart, dass unsere Beziehung darüber zerbrach. Wir lebten ständig mit dem Gedanken, wieder ausgewiesen zu werden. Heute weiß ich, wo ich hingehöre: Cairns ist mein Zuhause, mein kleines Paradies. Ich arbeite als Ranger für Skyrail, eine Seilbahn, die zwischen Cairns und Kuranda über den Regenwald fährt. Ich pflege die Vegetation und führe Touristen.

Dieser Artikel stammt aus der Österreich-Ausgabe der ZEIT Nr. 30 vom 23.07.2015. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Im Moment gründe ich ein Unternehmen, das auf Biochar setzt. Bei dieser Technologie wird Holzkohle in landwirtschaftliche Böden eingearbeitet, sodass die angebauten Pflanzen Wasser und Dünger effektiver aufnehmen. Damit könnten einige Umweltprobleme in Australien gelöst werden. Jetzt stellt mich das Schicksals aber vor die nächste Prüfung: Ich habe eine Brasilianerin kennen- und lieben gelernt, die bald zurück nach Brasilien muss. Sie will nicht in Australien leben. Soll ich jetzt wie Sisyphos wieder von vorne anfangen? Mein Paradies aufgeben?