Vier Männer an einen Tisch zu bekommen, um mit ihnen über den täglichen Spagat zwischen Kind, Frau, Familie und Karriere zu diskutieren, ist schwierig. Männer wissen, dass sie dabei leicht verlieren können. Alle reden von den neuen Vätern, von gleichberechtigten, partnerschaftlichen Betreuungsmodellen, die Erwartungen sind hoch. Wer gesteht sich da gern ein, vielleicht doch noch in klassischen Rollenklischees zu stecken? Es gab viele Absagen, aber vier Männer haben sich bereit erklärt, offen mit uns zu reden. Mit diesem Gespräch erfüllen sie zugleich einen Wunsch unserer Leser. Denn als wir im Oktober 2014 mit vier Frauen aus dem Netzwerk Working Moms über Kind und Karriere sprachen, sie nach schlechtem Gewissen, Egoismus und Au-pair-Mädchen fragten, forderten viele Leser: "Stellen Sie bitte all diese Fragen auch mal den Männern!"

DIE ZEIT: Es ist Freitagnachmittag. Wie viel Zeit haben Sie in dieser Woche mit Ihren Kindern verbracht?

Michael Noll: Ich habe meine Tochter heute Morgen eine halbe Stunde gesehen. Die Woche über war ich in Erlangen, bin erst gestern Abend spät nach Hause gekommen.

Alexander Bödcher: Ich hatte heute Morgen im Bett das Vergnügen, um 5.15 Uhr kam meine Tochter. Ansonsten habe ich sie nur Dienstagnachmittag gesehen, das ist in jeder Woche mein fester Papa-Tag. Den Rest der Woche war ich in Paris.

Christoph Mussenbrock: Montagfrüh habe ich zusammen mit der Familie gefrühstückt, dann bin ich nach Köln geflogen, wo ich die Woche über arbeite. Gestern Abend bin ich wiedergekommen.

ZEIT: Was kam zu kurz diese Woche?

Mussenbrock: Ich hatte nicht das Gefühl, dass etwas zu kurz kam.

ZEIT: Haben Sie sich Ihr Leben mit Kind und Familie einmal so vorgestellt, wie es jetzt ist?

Klaus Kiefer: Ich bin zufrieden mit unserem Modell. Auch wenn es manchmal knirscht. Klar, bevor die Kinder kamen, hatte ich noch andere berufliche und wissenschaftliche Pläne. Aber das Leben ist ein Komplettpaket.

ZEIT: Waren Sie sich immer sicher, dass sich Ihre beruflichen Möglichkeiten durch ein Kind nicht wesentlich ändern würden?

Bödcher: Meine Frau hat immer gesagt, sie möchte für die Familie zurückstecken und später mit weniger Stunden wieder einsteigen. Vor dem Kind haben wir beide sehr viel und sehr lange gearbeitet, da gab es oft gar keinen dringenden Grund, früh nach Hause zu kommen. Aber den habe ich jetzt durch meine Tochter.

Noll: Natürlich haben wir diskutiert: Wer nimmt den Löwenanteil der Elternzeit. Aber es kristallisierte sich schnell raus, dass wir in die klassische Aufteilung rutschen, allein aus finanziellen Gründen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 30 vom 23.07.2015.

Mussenbrock: Die wirtschaftliche Frage ist schon entscheidend. Dadurch, dass ich mehr arbeite und meine Frau den Großteil der Familienarbeit übernommen hat, können wir unseren Kindern mehr Freiräume ermöglichen als andersherum. Sonst hätten wir uns stärker einschränken müssen.

ZEIT: Ist das nicht eine Folge davon, dass Ihre Frau beruflich vieles aufgegeben hat, während Sie immer weiter gearbeitet haben ...?

Mussenbrock: Meine Frau hat versucht, nach den Kindern wieder in den Beruf einzusteigen. Zu ihrem alten Arbeitgeber konnte sie nicht zurück. Deshalb hat sie eine Zusatzausbildung zur Personalreferentin gemacht. Aber es ist unheimlich schwierig, mit Mitte 40 als Neueinsteigerin reinzukommen. Schließlich hat sie eine Stelle in einem kleinen Start-up gefunden, wo sie jetzt die Finanzen verantwortet. Aber wirklich am Ziel ist sie noch nicht.

ZEIT: Führt das zu Vorwürfen? Sagt Ihre Frau nie: Ich komme hier nicht weiter, weil ich allein zu Hause sitze mit den drei Kindern und du die ganze Woche über in Köln bist ...?

Mussenbrock: Der Engpass entsteht ja nicht nur durch mich, sondern auch dadurch, dass meine Frau nach der Kinderpause neu in einen Bereich einsteigen möchte, in dem sie keine Erfahrung hat.

Noll: Deine häufige Abwesenheit setzt aber doch den Möglichkeiten deiner Frau ganz klare Grenzen. Reisetätigkeiten des einen erschweren dem anderen automatisch die Work-Life-Balance.