Schwere Panzer rollen am Parlament in Athen vorbei. Kampfjets überfliegen die Akropolis und malen weiße Kondensstreifen an den Himmel. Es ist der 25. März 2015, Nationalfeiertag. Griechenlands Militär präsentiert sich mit einer großen Parade, die an die Erhebung gegen die Osmanen 1821 erinnern soll. Kriegsgerätschaften im Wert von vielen Millionen Euro defilieren durch die Stadt, auch deutsche Panzer des Typs Leopard 2, der Stolz der griechischen Militärs. Schließlich gilt der Panzer weltweit als bester seiner Art – und als teuerster. Bei der Armee sparte die Regierung noch nie.

Das Militär spielt in Griechenlands Nachkriegsgeschichte eine bedeutende, ja dominante Rolle. Mit Rüstungskäufen wurden die Generäle bei Laune gehalten. Kein Mitglied der EU gab in den vergangenen Jahren – gemessen an seinem Bruttoinlandsprodukt – mehr Geld für neue Waffen aus. Und kein Staat unterhielt eine größere Armee, vergleicht man die Zahl der Soldaten mit der Größe der Bevölkerung. Das Bonner Institut für Konversionsforschung (BICC) führt Griechenland in seinem globalen Index seit 1990 unter den Ländern mit dem höchsten Militarisierungsgrad. 2014 liegt es darin weltweit auf Platz 9, vor allen anderen Nato-Staaten und trotz der Finanzkrise. "Athens hohe Rüstungsausgaben und umfangreiche Waffenkäufe der letzten Jahre haben zur desolaten Haushaltslage beigetragen", stellen die Experten vom BICC nüchtern fest.

Die Statistik belegt: Im Jahr 2000 investierte die Athener Regierung fast 6 Milliarden Euro in sein Militär. Acht Jahre später gab sie bereits 8,6 Milliarden aus. Ein Jahr vor dem Beginn der jüngsten Weltwirtschaftskrise, 2009, wandten die europäischen Mitgliedsstaaten der Nato durchschnittlich 1,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Rüstung auf – Griechenland lag hingegen bei 3,1 Prozent. Und zwischen 2005 und 2009 gehörte der Staat zu den fünf größten Rüstungsimporteuren der Welt, errechnete das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri.

Im Mai 2010 musste Griechenland mit einem milliardenschweren Kreditpaket vor dem finanziellen Kollaps bewahrt werden. Doch selbst von diesem Geld kaufte die Regierung weiterhin Waffen ein.

Jetzt geht es um neue Milliarden. Die Regierung von Alexis Tsipras hat dazu zahlreiche Auflagen akzeptiert. Griechenland muss sparen. Die Mehrwertsteuer ist bereits erhöht, dazu soll die Rente sinken, Staatseigentum privatisiert und die Korruption ausgemerzt werden. Von den exorbitanten Militärausgaben des Landes ist dabei allerdings nur ganz, ganz am Rande die Rede, die Armee bleibt sakrosankt.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 31 vom 30.07.2015.

Vor allem Deutschlands Politiker und Leitartikel-Stammtischler vergessen bei ihrer oft harschen Kritik an Tsipras nur zu gern, dass der hoch verschuldete Staat bis vor Kurzem noch für Milliarden Euro Rüstungsgüter bestellt hat – auch in der Bundesrepublik. Zwischen 2001 und 2010 war Griechenland der wichtigste Kunde der deutschen Rüstungsindustrie: Es nahm in diesem Zeitraum 15 Prozent aller deutschen Exporte ab, errechnete Sipri.

Athens Streitkräfte verfügen über fast tausend in Deutschland entwickelte Kampfpanzer Leopard 1 und 2 – dazu kommen noch weitere Modelle aus anderen Staaten: insgesamt 1622. Die Bundeswehr hat momentan nur 240 Leoparden im Dienst. (Deren Zahl soll wegen der Ukrainekrise um knapp 90 steigen.) Während die deutschen Streitkräfte seit Jahren schrumpfen und Kriegsgerät aussortierten, rüstete Griechenland immer weiter auf; kein EU-Land hat heute mehr Kampfpanzer.

2003 bestellte Athens Verteidigungsministerium 170 Leoparden bei Krauss-Maffei Wegmann. Das Unternehmen aus München soll dabei 1,7 Milliarden Euro verdient haben. Auch Rheinmetall, Deutschlands größtes Rüstungsunternehmen, machte gute Geschäfte mit dem bankrotten Staat: So lieferte die Düsseldorfer Firma Feuerleitsysteme für die Leopard-Panzer. Noch 2014 verkaufte der Konzern Athen Panzermunition für 52 Millionen Euro. In den Jahren zuvor hatte eine Tochtergesellschaft von Rheinmetall ein Luftabwehrsystem an das griechische Militär geliefert. Der Deal war von Schmiergeldgaben begleitet, jüngst musste die rheinische Rüstungsschmiede ein Bußgeld und Gewinnabschöpfung in Höhe von 37 Millionen Euro zahlen.

Auch gegen Mitarbeiter von Firmen wie Atlas Elektronik und Krauss-Maffei Wegmann ermitteln deutsche und griechische Staatsanwälte. Ein Spitzenbeamter aus dem "Direktorat Rüstung" in Athen hat gestanden, von Vertretern deutscher Firmen Millionen kassiert zu haben. Ein ehemaliger griechischer Verteidigungsminister wurde bereits wegen Korruption zu einer langen Haftstrafe verurteilt.