Am Wochenende geht die Bundesliga los. Dass der Hamburger SV weiter dabei ist, ist die beste Nachricht, die er bislang in diesem Jahr zustande gebracht hat. Jetzt soll alles anders werden. Der Verein will gute Nachrichten produzieren, alles besser machen. Das versprechen die Verantwortlichen. Von Kontinuität ist die Rede, von einem Trainer, der das Vertrauen der Vereinsführung hat, von einem Neuanfang, von neuen Spielern, die Fußball spielen können und das beim HSV zeigen werden – Letzteres eine dieser Hoffnungen, die sich in den vergangenen zwei Saisons eher selten erfüllten.

Und es gibt ein paar Anzeichen, dass diesem Anfang trotz eines verkorksten Pokalspiels gegen den Viertligisten Jena ein kleiner Zauber innewohnt. Im Vergleich zum letzten Jahr verlief die Sommerpause ruhig. Musste im Mai 2014 noch die ganze Vereinsstruktur umgebaut werden, gab es in diesem Jahr keinen Wechsel in der Führungsebene. Die sportliche Leitung konnte sich darauf konzentrieren, aus einer komplett maroden Mannschaft eine etwas weniger marode Mannschaft zu machen.

Zu Beginn der Sommerpause mussten die Fans noch fürchten, dass alles wieder so furchtbar wird wie vor der vergangenen Saison. Da kamen die Neuzugänge so spät, dass sie im Grunde ohne Vorbereitung in der Bundesliga antreten mussten, und das sah derart ungelenk aus, dass Trainer Mirko Slomka schon nach drei Spielen gefeuert wurde.

Als in diesem Jahr mit dem Rechtsverteidiger Gotoku Sakai Anfang Juli endlich der erste Neue da war, ging es mit den anderen erfreulich schnell weiter. Es kamen ein türkisches Sturmtalent und ein bosnischer Abwehrveteran, der immerhin 49 Bundesligaspiele für Bayer Leverkusen vorzuweisen hat – eine Mannschaft, die der HSV früher herzhaft auslachte, die mittlerweile aber regelmäßig die besten Spieler der Hamburger wegkauft. Es folgten ein schwedischer Mittelfeldspieler, ein österreichischer Flügelstürmer und ein deutscher Mittelstürmer aus Hoffenheim. Bedenkt man, mit welcher Präzision es der HSV in den vergangenen zwei Jahren geschafft hat, seinen Ruf zu ruinieren, ist das alles in allem eine respektable Ansammlung von talentierten bis verheißungsvollen Spielern.

Die Verpflichtung von Trainer Bruno Labbadia war im Frühjahr die letzte Möglichkeit, den HSV zu retten. Es hat geklappt, mit mehr Glück als Know-how. Jetzt, vor der neuen Spielzeit, überschlagen sich alle, die etwas zu sagen haben, mit Versprechungen: Ja, er werde auf immer und ewig, mindestens aber die komplette kommende Saison der Coach des HSV sein.

Was aber passiert, wenn Labbadia nach der Pokalpleite im ersten Spiel gegen Bayern München mit 0 : 6 untergeht und auch die nächsten beiden Spiele nicht gewinnen kann? Wenn Mäzen Klaus-Michael Kühne sich öffentlich meldet und sagt, dass er diesen Labbadia doch für einen Dilettanten hält, der so schnell wie möglich aus dem Verein geschmissen werden muss? Wird die sportliche Führung standhaft bleiben?

Sie muss, weil nichts anderes als Kontinuität und Beharrlichkeit diesen Verein retten können.

Deshalb wird sich der Ausgang der kommenden Saison für den HSV auch nicht in den Spielen entscheiden, die er gewinnt. Er wird sich in den Spielen entscheiden, die er verliert – und dass der HSV öfter verliert als gewinnt, daran sollten selbst die größten Optimisten nicht zweifeln. Die Konkurrenz in der Liga ist einfach zu eingespielt, zu strukturiert, zu professionell.

Der Ausgang der Saison wird sich vor allem daran entscheiden, wie der HSV verliert. Bislang waren Niederlagen meist Katastrophen. Für HSV-Fans bedeutet das: bescheiden sein. Und umdenken. So eine unverdiente Niederlage, bei der der HSV kämpft, rackert, mit dem Gegner ringt, kann doch auch etwas Beglückendes haben.