Der große Urlauber-Nepp beginnt oft mit derselben freundlichen Frage: "Möchten Sie in Euro abrechnen?" Mal kommt sie aus dem Munde der Rezeptionistin im Londoner Hotel, mal vom Kassierer an der Tankstelle in Prag, mal erscheint sie auf dem Display eines Geldautomaten am Flughafen von Istanbul. Außerhalb der Euro-Zone mit dem vertrauten Geld bezahlen, kein Umrechnen fremder Währungen mehr – wer kann da schon Nein sagen?

Das Problem: Wer "Ja" antwortet oder drückt, den kommt das teuer zu stehen. Was als Service für Touristen daherkommt, ist für die Anbieter in Wahrheit ein großes Geschäft. Dynamic Currency Conversion oder "dynamische Währungsumrechnung", kurz DCC, nennt sich hochtrabend die Masche, die sich weltweit ausbreitet: rund um die Euro-Zone in Großbritannien, Tschechien oder der Schweiz, aber auch in Thailand oder den Malediven. Beim Abheben am Geldautomaten oder beim Bezahlen mit Kredit- und EC-Karte scheffeln findige Dienstleister mit diesem legalen Trick Millionen. Auch Autoverleiher, Duty Free Shops, Internet-Händler kassieren mit.

Die Zeche zahlt stets der arglose Kunde: in Form miserabler Wechselkurse oder ominöser Gebühren, die leicht zehn Prozent des Gesamtbetrags ausmachen können. Kaum einer dürfte wissen, dass der Betrag auch beim Bezahlen in Fremdwährung am selben Tag in Euro umgerechnet wird. Von der kartenausgebenden, vertrauten Bank – zum offiziellen, fairen Devisenkurs.

Eine Unternehmerin aus dem Rheinland, nennen wir sie Antje Weichert, ist am Geldautomaten reingefallen. Im April 2014 hob sie am Flughafen im schottischen Glasgow 800 britische Pfund ab, damals rund 970 Euro. Kaum hatte sie ihre Postbank-Karte ins Terminal des Anbieters Travelex gesteckt, poppte auf dem Schirm die Frage auf: ob Weichert die Transaktion direkt in Euro umgerechnet haben wolle, zum fixierten Wechselkurs. Der Euro-Betrag war sogar schon zu sehen. Weichert drückte Ja, alles wirkte so übersichtlich. Als sie nach der Heimkehr die Kontoauszüge durchsah, fiel ihr auf: Die abgebuchte Summe war weit höher als bei Abhebungen an anderen schottischen Geldautomaten. Weichert verglich den fixierten Wechselkurs von Travelex mit den offiziellen Devisenkursen des Tages. Und fand heraus: Die Maschine hatte ihr mindestens 63 Euro zu viel abgeknöpft.

Wie Antje Weichert dürfte es in diesen Ferienwochen Millionen Urlaubern ergehen. "Die DCC-Abzocke wird immer beliebter. Gerade in touristischen Gegenden nutzen Automatenbetreiber systematisch die Unsicherheit der Menschen beim Bezahlen mit ausländischem Geld aus", sagt Uwe Döhler, Finanzexperte der Stiftung Warentest. Er und seine Kollegen haben 2014 Geldautomaten in Großbritannien, der Schweiz, der Türkei, Tschechien und Polen getestet. Wer sich auf die Zahlung in Euro einließ, verlor immer. Bis zu zehn Prozent gegenüber der Abrechnung in Pfund, Franken, Lira, Kronen und Złoty.

In Polen ist DCC bereits so allgegenwärtig, dass Polens Tourismuszentrale auf ihrer Homepage vor "plumper Abzocke" warnt. Besonders perfide ist die Masche dort in Filialen der Deutschen Bank. Das Institut preist in seiner Broschüre Kostenlos Bargeld weltweit den deutschen Kunden explizit die polnischen Deutsche-Bank-Automaten an. Doch steckt man seine EC-Karte in ein solches Terminal, poppt die Anzeige "0 % Provision" auf, bei der "Auszahlung mit Umrechnung" – so nennt der US-Dienstleister Euronet, der gut 2.000 Deutsche-Bank-Automaten in Polen betreibt, das DCC-Verfahren. Wer es nicht wählt, erhält oft einen Warnhinweis: Ob man wirklich sicher sei – die meisten Kunden würden die Abhebung in Euro wählen. Trickreicher geht es kaum. "Die Benutzerführung an diesen Automaten ist bewusst so gestaltet, dass Laien fast immer DCC wählen", sagt Döhler. Selbst er ist schon auf den Trick hereingefallen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 33 vom 13.08.2015.

Euronet weicht konkreten Fragen zu den Praktiken in Polen aus: Man verlange einen "fairen Preis", teilt man lediglich mit. In Präsentationen für Automateneigentümer klingt das ganz anders: Mit Euronets DCC Service bestimme der Anbieter – "Acquirer" genannt – die Marge. "Die Marge auf den Wechselkurs bietet zusätzliche Einnahmen, zusätzlich zu Zuschlägen und Umtauschgebühren." Laut dem Verbraucherportal deutscheskonto.org zahlten Testkunden im November 2013 beim Abheben von 2.100 Złoty am Euronet-Automaten mit DCC 555 Euro. Das waren 54 Euro mehr als beim Abheben derselben Summe ohne Umrechnung.

Ein Sprecher der Deutschen Bank sagt nur, dass die Automaten "von einem externen Anbieter betrieben" würden, "weiter können wir dazu öffentlich keine Stellung nehmen". Wieso lässt die Bank zu, dass ihre Kunden hinters Licht geführt werden? Verdient sie daran, dass Euronet die Automaten betreibt? Kriegt sie Provisionen, wenn Kunden DCC wählen? Der Sprecher gibt keine Antwort.