Viele figurbewusste Menschen kennen das: Sie "sündigen" und vertilgen etwa eine ganze 100-Gramm-Tafel Schokolade auf einmal – und am nächsten Tag zeigt die Waage 200 Gramm mehr an. Das ist die gerechte Strafe für die Schlemmerei!

Aber kann das sein? Machen wir erst einmal die Kalorienrechnung auf: 100 Gramm Fettgewebe entsprechen etwa 700 Kilokalorien – so viel muss man über seinen Energieverbrauch hinaus zu sich nehmen, um ein entsprechendes Polster anzulagern. Das ist schon einmal eine wichtige Einschränkung: Solange mein Tagesbedarf an Energie noch nicht gedeckt ist, muss ich von der Schokolade gar nichts befürchten.

Aber nehmen wir an, wir haben bereits ausreichend Kalorien zu uns genommen, und die Schokolade kommt sozusagen obendrauf. 100 Gramm enthalten maximal 550 Kilokalorien – also nimmt man (Dreisatz!) davon höchstens 80 Gramm zu.

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Diese Rechnung ist nur eine grobe Schätzung. Kalorien sind ja keine Massepartikel, die von der Nahrung an die Hüfte wandern, sie geben lediglich den Energiegehalt der Lebensmittel wieder. Wenn wir von Masse reden, müssen wir auch deren Bilanz bei der Ernährung betrachten. Und da gilt zunächst einmal: Ich kann nicht mehr an Masse zunehmen, als ich dem Körper von außen zuführe (die Umwandlung von Energie in Masse nach Einstein spielt bei diesen Prozessen keine Rolle). Deshalb kann ich auch von 100 Gramm Schweineschmalz, das knapp 900 Kilokalorien enthält, nicht mehr als 100 Gramm zunehmen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 34 vom 20.08.2015.

Wie also ist es möglich, dass mir eine Tafel Schokolade mehr als 100 Gramm zusätzliches Körpergewicht beschert? Wir essen ja nicht nur, sondern trinken auch, und kurzfristig kann kalorienreiche Nahrung wie Zucker Wasser binden. Im Gegensatz zu Fettpolstern sind Wassereinlagerungen normalerweise von kurzer Dauer.

Die zweite gute Nachricht: Unser Körper ist gar nicht in der Lage, die Kalorien in der Nahrung komplett zu verwerten – ein gewisser Teil geht für den chemischen Umbau und die Verdauung drauf. Zunehmen ist wie Abnehmen ein eher langfristiger Prozess.

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