Von einem "Goldschatz" hatte Helmut Reitze Ende Mai noch gesprochen. Damit meinte der Intendant des Hessischen Rundfunks Einnahmen durch den Rundfunkbeitrag, die über das hinausgehen, was die Bundesländer für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorgesehen hatten. Bis 2016 sollen sich die Mehreinnahmen auf rund 1,6 Milliarden Euro summieren.

Bei Goldschatz stellt man sich Dagobert-artige Geldberge vor. Aber der ARD – der Hessische Rundfunk ist eine von neun Rundfunkanstalten in diesem Verbund – ist dieser Goldschatz offenbar noch nicht groß genug. Ende vergangener Woche ließen die Sendeanstalten wissen, dass sie für die nächsten Jahre zuzüglich zum Schatz noch 99 Millionen Euro extra brauchten, pro Jahr. Das ZDF käme wohl mit seinem Anteil von den Rückstellungen aus. Das Deutschlandradio verlangt, trotz der Rücklagen, gut 46 Millionen Euro mehr.

Alle zwei Jahre müssen die Rundfunkanstalten angeben, wie viel Geld sie in Zukunft wohl brauchen werden. Eingereicht werden die Unterlagen bei der KEF, der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs, die prüft dann die Forderungen. In einem Bericht wird die KEF im kommenden Jahr eine Empfehlung abgeben, in einem letzten Schritt entscheiden die Länder.

Im Gegensatz zu Helmut Reitze sprechen die Ministerpräsidenten der Länder nicht von einem Schatz, sondern über Beitragsstabilität. Ein wichtiger Begriff, um Politik zu machen und die zahlende Masse bei Laune zu halten. Seit 2009 ist der Rundfunkbeitrag nicht gestiegen, das betonen sowohl Politiker als auch Fernsehchefs immer wieder gern. Das soll auch so bleiben, mindestens für weitere vier Jahre, hat die Chefin der Rundfunkkommission der Länder und Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, bereits versprochen.

Im April war der Beitrag sogar, erstmals in der Geschichte, gesenkt worden, um 48 Cent. Seitdem zahlt jeder Haushalt hierzulande 17,50 Euro. Die Forderungen der ARD – sofern sie bewilligt werden – hätten zur Folge, dass der Beitrag wieder steigen würde.

Doch wofür brauchen die Anstalten mehr Geld? 2012 hatten sie 7,5 Milliarden Euro zur Verfügung, im vergangenen Jahr 8,3 Milliarden Euro. Zu den Beitragsgeldern kommen noch Werbeeinnahmen. Allein die ARD kalkuliert mit jährlich rund einer Milliarde aus Werbung und Sponsoring.

Gute Programme kosteten eben was, meint ARD-Chef Lutz Marmor. Mehrausgaben seien also dringend nötig.