1(3) Friedrich Ani: Der namenlose Tag
Suhrkamp, 302 S., 19,95 €.

München. Friedrich Anis neuer Ermittler: Jakob Franck, pensionierter Kommissar. Vor 20 Jahren hielt er stundenlang eine Mutter im Arm, deren Tochter sich erhängt hatte. Jetzt soll er denjenigen suchen, der sie in den Tod getrieben hat. Und findet Menschen, die nicht "leben gehen" konnten. Der Beste.

2(10) Dror Mishani: Die Möglichkeit eines Verbrechens
Aus dem Hebräischen von Markus Lemke; Zsolnay, 336 S., 19,90 €.

Cholon, Tel Aviv. Zwei Misstrauensmänner: Kommissar Avi Avraham will alte Fehler vermeiden, Chaim Sara trotzt, lügt, manipuliert sogar die eigenen Kinder. Eine Bombenattrappe, eine zusammengeschlagene Kindergärtnerin – Avraham ahnt Zusammenhänge. Eindringlich, diese Stimme aus Israel.

3(2) Newton Thornburg: Cutter und Bone
Aus dem Englischen von Susanna Mende; Polar, 368 S., 14,90 €.

Santa Barbara, Kalifornien, Ende der Siebziger. Cutter wurde in Vietnam zum Krüppel, Bone schnorrt sich als Frauenbeglücker durch. Als Bone vermeintlich Zeuge eines Mordes wird, setzt Cutter alles auf die Erpressung des Täters. Psychodram vom Untergang zweier Loser im Golden State – eine Klasse für sich.

4(–) Andreas Kollender: Kolbe
Pendragon, 448 S., 16,99 €.

Kapstadt, Berlin, Bern 1943–1951. Literarisches Denkmal für einen tapferen Mann: Fritz Kolbe, Beamter im Auswärtigen Amt, verriet dem amerikanischen Geheimdienst alles, womit er den Nazis schaden konnte. Kollender erzählt einfühlsam und ohne Heroisierung (was schwer ist). Und auch noch fesselnd.

5(1) Merle Kröger: Havarie
Ariadne bei Argument, 256 S., 15,– €.

Mittelmeer, das Mare Nostrum. Eine Beinahe-Kollision: unten ohne Sprit das Schlauchboot der algerischen Flüchtlinge, oben auf der Spirit of Europe das Spektakel knipsende Kreuzfahrtgäste. "Festung Europa" als Schurke, Wimmelbild der Migration, Roman der Stunde.

6(5) Antonin Varenne: Die sieben Leben des Arthur Bowman
Aus dem Französischen von Anne Spielmann C. Bertelsmann, 560 S., 22,99 €.

Birma, England, Wilder Westen 1852–1864. Zehn Mann haben Folter und Gefangenschaft in Birma überlebt. Einer von ihnen ist der Mörder, der in der zivilisierten Welt Opfer mit zerschnittenen Rücken hinterlässt. Sergeant Bowman jagt ihn und ihr gemeinsames Trauma. Großes, interkontinentales Abenteuer.

7(9) Petros Markaris: Zurück auf Start
Aus dem Neugriechischen von Michaela Prinzinger; Diogenes, 368 S., 24,– €.

Athen. Krise ohne Ende. Kommissar Charitos’ Tochter von den Faschisten der Goldenen Morgenröte zusammengeschlagen. Deutschgriechischer Windparkunternehmer begeht Selbstmord. "Griechen der fünfziger Jahre" bringen Linke wie Rechte um. Band vier der Krisen-Serie: tapfer, kaum ein Hoffnungshauch.

8(–) William Shaw: Kings of London
Aus dem Englischen von Conny Lösch; Suhrkamp Nova, 472 S., 14,99 €.

London 1968/69. Zwei verkohlte Leichen, kaum verwertbare Spuren, dazu Politiker und korrupte Kollegen. DS Cathal "Paddy" Breen stolpert durch die Welt von Pop, Drogen und Glamour, wundert sich über Bed-ins und über die toughe DC Helen Tozer. Zeitgemälde. Besticht durch Akribie des klaren Blicks.

9(–) Jax Miller: Freedom’s Child
Aus dem Englischen von Jan Schönherr; Rowohlt Polaris, 368 S., 14,99 €.

Oregon, Kentucky, New York. Freedom säuft sich durch das Zeugenschutzprogramm, als sie hört, dass ihre Tochter aus der evangelikalen Familie verschwunden ist, die sie adoptiert hat. Freedom muss, will sie retten. Sie weiß, welch miese Bande da mitmischt: ihre mörderische Ex-Familie.

10(–) Michael Robotham: Um Leben und Tod
Aus dem Englischen von Kristian Lutze; Goldmann, 478 S., 9,99 €.

Texas. Nach zehn Jahren blutigem Knast flieht Audie Palmer. Einen Tag vor seiner Entlassung. FBI-Agenten, ein Sheriff, Politiker und sogar ein Knastkumpel sind hinter ihm her. Trotzdem scheint er unschuldig wie der junge Parzival. Das ist ein Thriller: schnell, perfekt konstruiert, sauspannend.