Nichts ist sozialer als gleiche Bildungschancen für alle. Es gibt keine wichtigere Basis für den Wohlstand eines Landes. Wir brauchen deshalb ein hervorragendes Bildungssystem, das niemanden ausschließt. Deutschlands Bildungssystem bietet bereits viel Chancengleichheit. Aber ist es auch hervorragend? Das weltbeste?

Um genau dies zu werden, müsste dieses Land sich zu einer wichtigen Änderung, einer grundlegenden Reform durchringen: einer Bestenauswahl auch bei den Lehrern. Lehrerinnen und Lehrer sollten künftig, genau wie Angestellte in der freien Wirtschaft, entsprechend ihren Fähigkeiten und ihrem Engagement bezahlt werden.

Es ist überfällig, dem Berufsstand der Lehrer endlich die Wertschätzung entgegenzubringen, die er verdient, und zwar nicht nur in Sonntagsreden, sondern vor allem durch leistungsbezogene Honorierung. Sprich: Wer für die Sache wirklich brennt, wer Außerordentliches leistet, der muss ein höheres Gehalt bekommen. Der öffentliche Schulbereich ist nahezu die einzige Branche, in der die Dauer der Anstellung sowie die Art des Lehramtes mehr Einfluss auf die Höhe der Besoldung haben als die Qualität des Unterrichts und das sonstige Engagement, das eine Lehrkraft aufbringt.

Diese Gleichbehandlung von Ungleichem hat fatale Folgen: Die wenigsten jungen Leute ergreifen den Beruf des Lehrers, weil sie sich dafür begeistern, Kindern Wissen zu vermitteln. Viele geben als Grund für ihre Berufswahl an, sie hätten vor allem berufliche Sicherheit gesucht. Doch dieser Beruf sollte vor allem Berufung sein.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 36 vom 03.09.2015.

Was macht denn einen guten Lehrer aus? Sein Fachwissen – natürlich. Aber nicht nur das. Wer konzertreif Klavier spielt, muss noch lange kein guter Musiklehrer sein. Ein hervorragender Mathematiker garantiert noch lange keinen Unterricht, der Schülerinnen und Schüler begeistert. Es ist die Haltung einer Lehrkraft, die Leidenschaft, die sie für ihren Beruf empfindet, die sich den Kindern vermittelt und sie mitreißt. Es sind Empathie und Kreativität, die schwache Schüler bestärken, Verweigerer motivieren und in Provokateuren das Potenzial zu Positivem stimulieren können. Diese Lehrer-Fähigkeiten müssen sich nicht nur auszahlen – sie müssen auch Einstellungsvoraussetzung werden.

Viele Lehrkräfte beklagen zu Recht, dass ein Teil ihrer Kollegen ihren Beruf mit Hingabe ausübt und sich für Schüler und Schule in besonderem Maß einsetzt, während andere Dienst nach Vorschrift leisten. Diese Einschätzung bestätigt übrigens auch die Schulforschung. Trotzdem bekommen sie alle, Engagierte und Unmotivierte, das gleiche Geld.

Zwei Wege sollten deshalb verfolgt werden, um einerseits die besten Lehrer für den Schuldienst zu gewinnen und desillusionierte zu motivieren: Zum einen sollten die Unterrichtsqualität sowie die Lernfortschritte der Kinder – sowohl im Hinblick auf Fachwissen und Kompetenzen sowie auf Team- und Sozialverhalten – die Grundlage bilden, um den Erfolg einer Lehrkraft zu bewerten. Diese Fortschritte lassen sich durchaus messen, etwa durch vergleichende Arbeiten pro Fach und Jahrgang über einen längeren Zeitraum. Die FDP arbeitet gerade gemeinsam mit Erziehungswissenschaftlern und Praktikern daran, ein solches Bewertungskonzept zu erstellen.

Zum anderen – und damit wären wir beim zweiten Weg – sollten Schulen selbstständiger gemacht werden: im Hinblick auf Organisation, Profilbildung, Budget und Personal. Sie sollten außerdem zusätzlich zur Abdeckung der Grundunterrichtsversorgung im Wege eines Sozialindex weitere Lehrerstellen zugewiesen bekommen – schließlich steht jede Schule vor anderen Herausforderungen, je nachdem, wie sich ihre Schülerschaft zusammensetzt. Auf diese Weise könnte individuelle Förderung ermöglicht, aber auch eingefordert werden. Wir wollen, dass Schulen individuelle Wege für einzelne Schüler oder Schülergruppen einschlagen können, aber dass gleichzeitig bundesweit geltende Standards erreicht werden. Das Ziel ist vorgegeben und wird kontrolliert; die Wege dorthin stehen den Schulen und Lehrkräften frei.

Neben der Besoldung sollte auch die Aus- und Fortbildung überdacht werden. Wissen und Können müssen in bessere Balance gebracht werden, und zwar schon bevor angehende Lehrer ihr Staatsexamen bekommen. Die übliche Beobachtung und Beurteilung, etwa durch einzelne Unterrichtsbesuche von Schulamtsvertretern, reichen dafür nicht aus. Vielmehr ist es wichtig, die Qualität der Lehre über lange Zeiträume zu beobachten und zu bewerten. Es gilt, vielversprechende Nachwuchskräfte überhaupt erst für den Lehrerberuf zu interessieren, Lehramtsstudierende besser auf die Herausforderung des Schuldienstes vorzubereiten und die Praxistauglichkeit der Studierenden und Referendare für den Lehrerberuf frühzeitig festzustellen.

Leider merken junge Lehrer oft erst dann, dass sie für den Beruf nicht geeignet sind, wenn sie ihre erste Klasse übernehmen. Und bei guten Lehrkräften, die schon im Schuldienst sind, kann Frust vermieden werden, der entsteht, wenn deren Arbeit nicht ausreichend gewürdigt wird. Das bedeutet verschärfte Qualitätsanforderungen an Lehrer, sicher. Aber dies alles dient nur einem Ziel: für unsere Kinder – das Wertvollste, was wir haben – die Besten der Besten zu gewinnen.