Es ist einer dieser SonnTalk-Momente. Christoph Blocher fuchtelt mit seinen Händen in der Luft und erklärt lautstark, warum seine Tochter Magdalena Martullo eine prima Bundesrätin wäre: "Die kann dann führen!" Das ist zu viel für SP-Nationalrätin Jacqueline Badran. Mit verstellter Stimme äfft sie die Blocher-Tochter nach: "Ja, klar, die hat Führungserfahrung: sö sevön sinking steps!" Moderator Markus Gilli gluckst vor Lachen in seinem Ledersessel.

Drei Gäste, drei Themen, ein Moderator. Dreißig Minuten Sendezeit am Sonntagabend. Das ist der SonnTalk auf Tele Züri. Seit 1997 moderiert von Markus Gilli. Damals schrieb ein Journalist in der Sonntagszeitung: "Wie kann man sich nur über alles eine Meinung bilden? Noch viel erstaunlicher aber ist, dass diese Leute meinen, ihre Meinung interessiere."

Fast zwanzig Jahre später hat Gilli seine Kritiker widerlegt: Man kann sich über alles eine Meinung bilden. Und die Zuschauer interessieren sich sogar dafür. Nie war der SonnTalk erfolgreicher als heute. Seit Beginn dieses Jahres hat er im Schnitt knapp 150 000 Zuschauer. Er nähert sich damit der Arena des Schweizer Fernsehens an, bei der durchschnittlich 176 000 einschalten. Dabei steht Letzterer mehr als zehn Mal so viel redaktionelle Manpower zur Verfügung wie dem Zürcher Regional-TV-Format.

Auch unter den Politikern in Bundesbern ist man sich einig: der SonnTalk ist wichtig – und er ist gut. Parlamentarier beneiden Kommissionskollegen, die eine Einladung von Gilli erhalten; und montags gehört seine halbe Stunde zum bundeshäuslichen Tratsch. Manche erhalten nach Auftritten im SonnTalk mehr Rückmeldungen als nach der Arena. Und längst erhält Gilli mehr Anfragen für seine Sendung als Absagen. Ein Parlamentarier sagt: "Die wichtigen Debatten finden heute nicht mehr im Parlament statt, sondern in den Medien. Vor allem im Fernsehen."

Seit drei Jahren wird der SonnTalk nicht nur auf Tele Züri, sondern auch auf dem Aargauer Lokalsender Tele M1 sowie auf Tele Bärn ausgestrahlt. Dafür verantwortlich ist der Verleger Peter Wanner. Im Sommer 2011 gab er bekannt, dass seine AZ Medien der Tamedia die beiden Sender Tele Züri und Tele Bärn abkaufen. Damals sagte Gilli: "Für mich ist das ein gutes Gefühl." Der damalige Chefredaktor des Zürcher Regionalsenders sollte sich nicht täuschen: Mittlerweile leitet er die ganze AZ-Senderfamilie – und ist ihr unbestrittener Star.

Dieser Artikel stammt aus der Schweiz-Ausgabe der ZEIT Nr. 36 vom 03.09.2015. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Gilli: Fleißiger Bünzli und schillernder Exzentriker

Das Rezept des SonnTalks ist simpel: Drei Gäste diskutieren eine halbe Stunde lang über die drei "wichtigsten und emotionalsten Themen der Woche", wie Gilli sagt. Die Arena widmet einem Thema jeweils 75 Minuten. Eine Fernseh-Ewigkeit.

Doch entscheidend für den Erfolg des SonnTalks ist nicht das Format, sondern Markus Gilli selbst: "Eine Nummer", darin sind sich Berufs-Kollegen und Gäste einig. Der Schweizer Journalist des Jahres 2013 ist die ideale Mischung aus fleißigem Bünzli und schillerndem Exzentriker. Heute, knapp zwanzig Jahre nach ihrer scharfen Kritik, bezeichnet ihn die Sonntagszeitung als "erste Geige" und "einen der unterhaltsamsten Interviewer des Landes".