Bei uns arbeiten Sie, wo Sie wollen!

Bei Microsoft in München sitzen nur 20 bis 30 Prozent der Mitarbeiter während der Kernarbeitszeit in ihren Büros, der Rest arbeitet woanders – zu Hause, im Café, irgendwo auf der Welt. Das erlaubt eine Betriebsvereinbarung. Mit dem Smartphone und einem Internetanschluss ist Arbeit nicht mehr an einen Ort gebunden.

Noch ist das nur in den wenigsten Firmen in Deutschland üblich. Zwar bietet jedes zweite Unternehmen seinen Mitarbeitern Homeoffice-Arbeit an, das geht aus einer Studie des Centre of Human Resources Information Systems (Chris) der Uni Bamberg hervor. Aber gleichzeitig nutzen immer weniger Deutsche ihr Wohnzimmer als Büro. Nur acht Prozent arbeiten von zu Hause aus, heißt es beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Schweden, Franzosen, Briten oder Österreicher: Alle arbeiten häufiger im Homeoffice. In den Niederlanden gilt sogar ein Gesetz, das ein Recht auf Heimarbeit garantiert. Der Arbeitsmarktexperte Karl Brenke vom DIW glaubt nicht, dass die Deutschen keine Lust haben, von zu Hause aus zu arbeiten. Aber die Heimarbeit habe hierzulande unter Chefs und Kollegen keinen guten Ruf. "Die gehen davon aus, dass die Mitarbeiter zu Hause auf dem Sofa liegen", sagt er. Dabei scheint es genau andersrum zu sein, wie eine Studie von Forschern aus Stanford nahelegt: Die Beschäftigten arbeiten konzentrierter und länger. Brenke erklärt das so: "Sie wollen beweisen, dass sie wirklich arbeiten."

Fazit: Das Versprechen wird nur halb eingelöst. Viele Firmen bieten flexible Arbeitsorte an, sind aber nicht konsequent genug.

Bei uns arbeiten Sie, wann Sie wollen!

Den Urlaubsflug im Büro buchen oder sonntags auf dem Sofa die Arbeitsmails checken – für viele, die ihren ersten Job antreten, ist das ganz normal. Sie wollen nicht strikt zwischen Freizeit und Arbeitszeit unterscheiden. Sieben von zehn Berufseinsteigern würden ein Jobangebot sogar nur dann annehmen, wenn das Unternehmen flexible Arbeitszeiten ermöglicht. Das geht aus der Chris-Studie hervor. Immer mehr traditionelle Arbeitgeber versuchen deshalb ihren Mitarbeitern mehr Flexibilität zu ermöglichen.

Die Arbeitszeitmodelle sehen aber überall anders aus. Beim Technikkonzern Bosch etwa heißt es seit vergangenem Jahr in der Betriebsvereinbarung: "Nutzen Sie die Flexibilität der Arbeitszeit, und finden Sie heraus, zu welcher Tageszeit Sie am produktivsten sind." Dort kann man jetzt etwa wegen der Einschulung seines Kindes mal drei Stunden mittags wegbleiben – und dafür abends länger arbeiten. Eine Genehmigung des Chefs ist nicht nötig.

Bei Premium Cola, einer Hamburger Getränkemarke, kann man statt tagsüber auch nachts arbeiten. Gründer Uwe Lübbermann sagt: "Bei wichtigen Absprachen hat es anfangs gestört, wenn der entsprechende Kollege gerade schläft." Aber mittlerweile wäre der Kollege bei Entscheidungen, die schnell und tagsüber getroffen werden müssen, eben nicht mehr eingebunden. Auch der Maschinenbauer Trumpf gilt als fortschrittlich. Dort entscheiden Mitarbeiter alle zwei Jahre, wie viel sie arbeiten wollen. Ein Berufseinsteiger arbeitet zum Beispiel mehr, um schnell aufzusteigen. Dabei zahlt er die Mehrarbeit auf ein Konto ein, von dem er später abheben kann: wenn er Kinder bekommt oder seine Eltern pflegen muss.

Fazit: Das Versprechen wird eingelöst.

Bei uns bestimmen Sie mit!

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 37 vom 10.09.2015.

"Unternehmen müssen demokratischer werden. Mitarbeiter werden künftig ihre Vorgesetzten wählen und nicht umgekehrt." Das sagt Thomas Sattelberger, ehemaliger Telekom-Vorstand. Er ist ein großer Verfechter der Mitbestimmung. Berufseinsteiger sind es gewohnt mitzureden: Auf Internetportalen bewerten sie Hotels, Restaurants und auf der Webseite Kununu.com sogar ihre Arbeitgeber. Warum sollten sie im Job den Mund halten? Eine repräsentative Umfrage der Technischen Universität München zeigt, dass sich Arbeitnehmer flache Hierarchien wünschen und keinen autoritären Chef. Rund zwei Drittel der Befragten wollen mehr Mitbestimmung, wie etwa ihren Chef selbst wählen und über die Firmenstrategie mitentscheiden.

In einigen Unternehmen ist das schon Wirklichkeit, aber die Beispiele sind rar: Bei der Digitalagentur Elbdudler wählen die etwa 40 Mitarbeiter den Chef. Ihr Gehalt handeln sie jeden Monat aufs Neue mit ihren Kollegen aus: Wer viel arbeitet und Verantwortung trägt, verdient mehr als jemand, der weniger tut. Auch kann jeder so viel Urlaub machen, wie er möchte – solange er seine Arbeit erledigt. Julian Vester, der Chef von Elbdudler, sagt: "Wenn ein Kollege meint, er braucht Urlaub, müssen wir ihm das ermöglichen." Die Idee: Nach dem Urlaub ist der Mitarbeiter entspannter – und auch produktiver.