Es sind auch eure Waffen, vor denen wir fliehen." Ein Satz voller Wucht. Ein Mann in Malta spricht ihn aus, er sitzt vor einem doppelstöckigen Container in einem Flüchtlingslager. Der Mann kommt aus Syrien, er ist in einem Schlauchboot übers Mittelmeer geflohen – und wie viele andere Flüchtlinge weiß er, dass deutsche Waffen in Syrien töten. Es ist so offensichtlich: Sämtliche Kriegsparteien kämpfen, schießen, morden mit ihrer Hilfe. Die libanesische Hisbollah, kurdische Kämpfer, die Terroristen des "Islamischen Staates": Sie alle nutzen Gewehre und Raketen, die in der Bundesrepublik entwickelt wurden. Vor allem das G3-Gewehr der Firma Heckler & Koch ist in zahlreichen Filmaufnahmen und auf vielen Fotos aus dem syrischen Bürgerkrieg zu sehen.

Woher die einzelnen Gewehre stammen, wie sie ins Kriegsgebiet gelangten, lässt sich kaum noch feststellen. Zu viele Staaten in der Region haben aus Deutschland die Lizenz erhalten, das Gewehr nachzubauen: Der Iran, der die Hisbollah unterstützt. Saudi-Arabien, das jüngst Kisten voller G3-Gewehre über dem Jemen abgeworfen hat, um dort Verbündete zu unterstützen. Die Türkei, die an Syrien grenzt und ebenfalls Assad-Gegner ausrüsten soll. Auch Deutschland selbst hat im vergangenen Jahr 8.000 G3-Gewehre in die Region geschickt: an kurdische Kämpfer im Nordirak. Sie sollen mit diesen Waffen den "Islamischen Staat" bekämpfen.

Im Syrienkrieg kommen auch Raketen vom Typ Milan zum Einsatz, mit denen sich Panzer zerstören lassen. Das Geschoss ist eine deutsch-französische Co-Produktion. Die Franzosen lieferten die Raketen bereits Ende der 1970er Jahre nach Syrien. Heute nutzen Kämpfer der Al-Nusra-Front und der Kurden diese Waffen ebenfalls. Zudem sind Raketen vom Typ HOT des deutsch-französischen Konsortiums Euromissile in Syrien im Einsatz. Kämpfer des IS posierten damit in Propagandavideos. Auf den Waffen ist die deutsche Beschriftung zu lesen: "Lenkflugkörper DM 72 – 136 mm Panzerabwehr".

Der syrische Diktator Assad ließ Aufständische mehrfach mit Chemiewaffen bekämpfen. Auch an ihrer Produktion hatten deutsche Firmen einen Anteil. Sie lieferten Chemikalien und Anlagen, deren Ausfuhr bis 1984 nicht beschränkt war.

Bei der aktuellen Diskussion über Fluchtursachen wird der Einfluss solcher Waffenexporte bisher meist vergessen.