Sie stinken, greifen die Atemwege an, verursachen sauren Regen, Feinstaub und überhöhte Ozonwerte im Sommersmog: Stickoxide stehen für einen erheblichen Anteil der Luftverschmutzung in Deutschland. Rund die Hälfte der giftigen Gasmischung, abgekürzt NOx, entsteht im Verkehr – zu achtzig Prozent bei Dieselfahrzeugen, woran Laster und Personenwagen jeweils zur Hälfte beteiligt sind.

Die gute Nachricht ist: Weil die Motortechnik besser wurde, hat sich der Ausstoß im deutschen Verkehr seit der Jahrhundertwende halbiert. Trotzdem werden die von der EU-Kommission festgelegten Grenzwerte weiterhin drastisch überschritten – was nicht am Autobahnverkehr liegt. Vielmehr ist die Belastung innerstädtisch gleich geblieben. Der Grund: Die Dieselmotoren müssen warm sein, damit ihre Vermeidungstechnik mit Namen SCR funktioniert. Das steht für Selektive Katalytische Reduktion, bei der das Abgas im Katalysator mit einer Harnstofflösung vermischt wird. Dabei entstehen Wasser und reiner, ungiftiger Stickstoff – allerdings nur, wenn die Abgastemperatur hoch genug ist.

Umweltverbände und Umweltbundesamt fordern schon seit Jahren, Dieselfahrzeuge nicht an einem allgemeinen Testzyklus, sondern unter realen innerstädtischen Verkehrsbedingungen zu messen. Der Grund: Stickoxide, die an Landstraßen und Autobahnen entstehen, haben vergleichsweise geringe Folgen für die Bevölkerung, bedrohlich sind sie vor allem in den Städten – und das besonders für Kinder und alte Menschen. Ganz gefährlich wird es, wenn sich Stickoxide mit ammoniakhaltigen Gasen aus der intensiven Landwirtschaft verbinden und Ammoniumsalze bilden – den "sekundären Feinstaub". Die Partikel dringen beim Einatmen bis in die Lungenbläschen vor und erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien, Asthma und Lungenkrebs.

Die EU-Kommission hat im Juni 2015 auf die unverändert hohen NOx-Messungen an den Stadtstraßen reagiert und ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Doch wie soll die Politik reagieren? Die Einrichtung von Umweltzonen hat den innerstädtischen Ausstoß nur um schätzungsweise ein bis fünf Prozent sinken lassen. Um ihren Effekt zu vergrößern, fordern Umweltverbände, 2016 eine Plakette einzuführen. Sie soll nur an Dieselfahrzeuge vergeben werden, die die strengen Abgasstandards der Euro-6-Norm nicht nur im Testlabor, sondern auch im echten Straßenverkehr erfüllen. Dieselbetriebene Pkw und Lkw wären dann zunächst kaum noch in Umweltzonen zu finden.

Die Rechnung ist simpel: Weniger Autoverkehr führt zu geringeren Emissionen, und zwar sofort.