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Zugegeben, es hätte etwas Romantisches, könnte man die Fassaden der Bankentürme in der Frankfurter City, des One World Trade Center in New York oder des Burdsch Chalifa in Dubai mit Efeu begrünen. Aber solche Verschönerungsversuche würden an der Natur scheitern: So wie Bäume nicht in den Himmel wachsen, ist auch die Wuchshöhe von Efeu begrenzt.

Pflanzen beziehen das Wasser und die Nährstoffe, die sie zum Leben brauchen, über ihre Wurzeln aus dem Boden. Dabei "saugt" die Pflanze nicht am Wasser – dann gäbe es ein Limit von etwa zehn Metern (ZEIT Nr. 46/07). Kapillarkräfte in den feinen Adern im Baum lassen die Säfte vielmehr nach oben klettern. Aber auch das wird umso schwieriger, je höher die Pflanze wächst.

Wo die Grenze des Wachstums liegt, ist gar nicht so leicht zu berechnen. In Nature erschien 2004 eine Studie von George Koch und seinen Mitarbeitern von der Northern Arizona University. Die Forscher kletterten in die riesigen Redwood-Bäume Kaliforniens, darunter der mit damals 112,70 Metern höchste bekannte Baum der Welt, sammelten dort Blattproben und analysierten diese im Labor. Sie kamen zu dem Schluss, dass kein Baum der Welt größer als 130 Meter werden kann.

Aber nicht jede Pflanze wächst so hoch wie ein Redwood, bei anderen Arten ist das Limit früher erreicht. Unsere heimischen Eichen schaffen maximal 40 oder 50 Meter. Und für den Gemeinen Efeu gibt die wissenschaftliche Literatur eine maximale Höhe von 20 bis 30 Metern an. Das reicht vielleicht für sieben Stockwerke – darüber muss das Hochhaus kahl bleiben.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 40 vom 01.10.2015.

Nun mag man einwenden, dass der Efeu sich ja mit kleinen Wurzeln am Haus festhält. Aber abgesehen davon, dass der Putz nicht sehr nahrhaft ist: Diese Haftwurzeln dienen nur der Statik, sie ernähren die Pflanze nicht.

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