Ruhmlos und zum Abschied garniert mit einer halbwegs gesichtswahrenden Formulierung endet im Dezember die Geschichte der Gurlitt-Task-Force. So heißt es, sie hätte Ende des Jahres ohnehin aufgehört zu arbeiten. Das ist eine ziemliche Übertreibung. Von Arbeit, von wahrnehmbaren Aktivitäten überhaupt hat niemals die Rede sein können. In Wirklichkeit wird nun eines der nutzlosesten und erfolglosesten Expertengremien, das die neuere Kulturgeschichte je sah, auseinandergescheucht.

Als eine bayerische Staatsanwaltschaft 2012 die aus etwa 1.500 Werken bestehende Sammlung Gurlitt beschlagnahmte – und zwar widerrechtlich –, geriet das Amt der Bundeskulturbeauftragten schnell unter Druck. Auf der einen Seite beklagte die Weltöffentlichkeit die deutsche Untätigkeit bei der Restitution von Nazi-Raubkunst, auf der anderen Seite war das Vorgehen der Behörden so nassforsch, dass es nur mithilfe des Nachweises, die Sammlung sei größtenteils Raubkunst, post festum zu rechtfertigen war.

Um diesen Beweis vor den Augen des Publikums zu liefern, gründete die Kulturstaatsministerin die Task-Force. Internationale Provenienzforscher sollten die angeblichen Nazi-Schätze des Cornelius Gurlitt ausgraben und den rechtmäßigen Eigentümern zuführen. Nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums hat jetzt die Task-Force kurz vor Ende ihrer Frist die Herkunft von vier Werken geklärt. Von vieren! Zu 104 weiteren liegen derzeit noch 113 Restitutionsansprüche vor. Mit anderen Worten: Fünf Jahre nach Beginn dieser unseligen Geschichte weiß niemand, wie viele Bilder aus dieser Sammlung tatsächlich unrechtmäßig besessen wurden und welche Rückgabeansprüche berechtigt sind. Es sieht auch nicht so aus, als läge es im Interesse des Staates und seiner Behörden, die Wahrheit zu veröffentlichen.

Unabhängige Kenner der Sammlung sind der Ansicht, dass die Anzahl der restitutionsbefangenen Werke tatsächlich sehr klein ist. Viele Trittbrettfahrer sind unterwegs. Von einem Nazi-Schatz hat niemals die Rede sein können. Wohl aber von einer bedeutenden deutschen Kunstsammlung.

Die Recherchen wird nun das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg erledigen müssen, das ohne Task-Force vermutlich längst damit fertig wäre. Im Mai 2014 starb Cornelius Gurlitt, er vererbte seine Bilder an das Kunstmuseum Bern. Es scheint, dass der Eigentümerwechsel in Richtung Schweiz danach die Task-Force in vollkommene Lähmung versetzte. Angesichts der hohen Priorität, die die Sache in Deutschland einmal genossen hatte, wirkt das alles bizarr. Vielleicht gab es ja diese Task-Force gar nicht, und sie war ein Gimmick zur Beruhigung der Öffentlichkeit.

Die Provenienzen der Gurlitt-Bilder zu klären wäre eine rasch lösbare Aufgabe gewesen. Gurlitt selbst hat die Einigung mit jüdischen Alteigentümern gesucht und teilweise sogar erreicht. Die Wahrheit ist allerdings, dass die Behörde der Kulturstaatsministerin nie mit dem Sammler ernsthaft geredet hat oder um seine Mitwirkung warb. Es wäre auch möglich gewesen, diese Sammlung in Deutschland zu halten. Dazu hätte es allerdings ein wenig Diplomatie und Empathie bedurft. Was bleibt, ist ein Justizskandal, begleitet von augenwischender, die Öffentlichkeit ablenkender Kulturpolitik. Wenn der Fall Gurlitt eines Tages rekonstruiert wird, ist die Task-Force nur noch ein Witz. Das Verhalten des deutschen Staates wird dann aber gar nicht zum Lachen gewesen sein.