Amerika hat es David Keating zu verdanken, dass die kommende Präsidentschaftswahl wohl die teuerste der Geschichte werden wird. Mehr als vier Milliarden Dollar, so die Prognosen, könnten die Unterstützer der Kandidaten für den Wahlkampf ausgeben. Es sind vor allem die Reichsten der Reichen, die durch Wahlkampfspenden versuchen, politischen Einfluss zu nehmen.

David Keating hat das ermöglicht. Er erfand ein rechtliches Konstrukt zum Spendensammeln, die sogenannten Super PACs. Lange Zeit galten in den USA strikte Obergrenzen für Wahlwerbung und Wahlspenden. Doch Keating setzte diese Regeln außer Kraft. Er ist ein Revolutionär eigener Art, mit seinem grau melierten Bart und der bedächtigen Art zu sprechen wirkt er wie ein College-Professor. Der konservative Politaktivist gründete einen Unterstützungsverein, ein Political Action Committee (PAC), und setzte vor Gericht durch, dass er unbegrenzt Geld einsammeln und für die Wahlwerbung ausgeben darf. Ein Super PAC kann zwar nicht direkt der Kampagne eines Kandidaten Mittel zukommen lassen, aber er darf etwa TV-Spots zu dessen Gunsten schalten.

Der Präsidentschaftswahlkampf befindet sich in einer frühen Phase, Demokraten und Republikaner küren in einigen Monaten ihren Präsidentschaftskandidaten. Doch schon jetzt haben die über 1000 Super PACs 300 Millionen Dollar in ihren Kassen und haben bereits fünfmal mehr für TV-Spots und sonstige Wahlkampfmaßnahmen ausgegeben als zum selben Zeitpunkt bei der letzten Präsidentschaftswahl.

Keatings Spendenpools haben den Einfluss, den die Superreichen in der einflussreichsten Demokratie der Welt ausüben, potenziert. Es sind Milliardäre wie der Kasino-Mogul Sheldon Adelson, der Spekulant George Soros oder die Öldynastie der Koch-Brüder, die mithilfe von Super PACs ihre jeweiligen Favoriten fördern. Allein die Kochs wollen bei der Wahl 2016 rund 900 Millionen Dollar ausgeben.

Right to Rise, der Super PAC für Jeb Bush, hat mehr als 100 Millionen Dollar eingesammelt – unter anderem durch Veranstaltungen wie ein Dinner für Wall-Street-Macher, ausgerichtet vom Private-Equity-Veteranen Henry Kravis. Seine Firma KKR sorgte in Deutschland zuletzt als "Heuschrecke" für Schlagzeilen, als sie den schwäbischen Küchengerätehersteller WMF übernahm. Gäste des Wall-Street-Dinners mussten 100.000 Dollar zahlen – für das Recht, mit am Tisch sitzen zu dürfen bei dem Event, das Kravis an der noblen Park Avenue ausrichtete.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 41 vom 08.10.2015.

Die Super PACs machen die Kandidaten abhängig von einer Handvoll Geldgeber. Eine Analyse der New York Times ergab, dass der größte Anteil der Spenden von weniger als 400 Familien im Land kommt. "Wer die Liste der Topspender im Präsidentschaftswahlkampf durchgeht, findet einen Querschnitt des obersten Prozents von Amerikas Superreichen", schreibt das Blatt. 67 Spender seien Milliardäre. Die Frage sei nicht, ob Amerika eine Wiederholung jenes goldenen Zeitalters erlebe, als der Ölmonopolist Rockefeller und der Stahlmagnat Carnegie ihre Vermögen zur Einflussnahme nutzten, sondern ob es nun in ein Platin-Zeitalter eingetreten sei, lästert der Vertreter eines Washingtoner Thinktanks, der die Spendenzuflüsse beobachtet. Einer der einflussreichsten Spender ist Sheldon Adelson, der es mit Kasinos in Las Vegas, China und Singapur laut der Forbes- Liste der Superreichen zu einem Vermögen von 26 Milliarden Dollar gebracht hat. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 gab Adelson 100 Millionen Dollar für Spenden aus. So begehrt ist die Unterstützung des Kasino-Moguls, dass Insider von der "Adelson-Vorwahl" sprechen. Der 82-Jährige kann sich nur mithilfe eines Elektrorollers bewegen. Deshalb zieht er es vor, dass Kandidaten zu ihm kommen. Noch habe er sich nicht entschieden, und so empfange der Milliardär in seinem Büro im Venitian Hotel in Las Vegas einen steten Reigen von Präsidentschaftsbewerbern, berichtete das New York Magazine kürzlich.

Adelson ist mit Paul Singer befreundet, einem Hedgefonds-Manager, der zu den großen Geldgebern der Republikanischen Partei gehört. Singers Elliott Management ist jener Fonds, der seit über einem Jahrzehnt auf die Bezahlung argentinischer Staatsanleihen pocht und dessen Forderungen mit dazu beitrugen, dass der südamerikanische Staat im Juli 2014 erneut zahlungsunfähig wurde. Hillary Clinton, Spitzenkandidatin der Demokraten, beklagte zwar das "zerrüttete politische System" und forderte, Geld aus intransparenten Quellen zu verbannen. Doch auch Clinton verfügt über Super PACs und hat Geldgeber wie den Großinvestor Warren Buffett und den Medienmogul Haim Saban.

Für ihr Geld wollen Super-PAC-Spender Mitspracherechte etwa bei der Wahlkampagne. Marco Rubios Wahlorganisation hat eine Smartphone-App entwickelt, mit deren Hilfe seine Geldgeber seine Auftritte verfolgen oder seine Haltung zu politischen Fragen abrufen können. Geldgeber aus dem Finanzbereich betrachten ihre Spende als Investment. "Sie verfolgen die Umfrageergebnisse ihres Kandidaten, so wie sie den Kurs einer Aktie verfolgen", beschrieb es ein Spender in der New York Times.