Smog in China © Reuters

Die PR-Strategen im Weißen Haus und in der Pekinger KP-Zentrale werden vor der Pariser Klimashow wohl viele kleine Probleme lösen müssen, ehe ihre Präsidenten die großen Probleme des Planeten angehen. Wo im Tagungszentrum Le Bourget sollen die Scheinwerfer, Mikrofone, Fotografen stehen? Und wo die zwei mächtigsten Männer der Welt? Sollen sich Barack Obama und Xi Jinping bloß die Hand geben oder einander auf die Schulter klopfen wie vor elf Monaten, als sie verkündeten, die USA und China würden nun vereint die Erderwärmung bekämpfen? Wird es eine neue gemeinsame Erklärung geben? Wenn ja, wer darf sie zuerst präsentieren?

Auf jeden Fall werden die Bilder von diesem 30. November, dem ersten Tag des Gipfels, um die Welt gehen. Sie werden den Schulterschluss zwischen Ost und West zeigen, zwischen dem größten Schwellen- und dem führenden Industrieland, zwischen zwei Nationen, die sich bis dato kaum im Kampf gegen den Klimawandel engagiert haben. Sie werden Millionen Menschen Hoffnung machen. Vor allem aber sollen sie andere Staatenlenker dazu animieren, sich am großen Klimavertrag von Paris zu beteiligen.

Seit Monaten machen sich Obama und Xi stark für das globale Abkommen, das den Kohlendioxidausstoß bremsen soll. "Ambitioniert" solle die Einigung sein, fordern die Präsidenten der beiden weltgrößten Klimasünder in ihrem gemeinsamen Aufruf von Ende September. Ihre eigenen Klimaschutzbeiträge allerdings sind nicht sehr ambitioniert. Und es ist fraglich, ob selbst diese moderaten Versprechen je eingelöst werden.

Obama verkündet, den Treibhausgas-Ausstoß im kommenden Jahrzehnt um bis zu 28 Prozent gegenüber 2005 zu reduzieren. Xi gelobt, dass Chinas Emissionen spätestens nach 2030 nicht mehr steigen werden. Das klingt gut. Tatsächlich sind beide Versprechen vor allem: unverbindlich.

USA: Laxe Ziele, Rechentricks – und ein drohender Machtwechsel

Zwar hat Barack Obama in seinem vorletzten Amtsjahr damit begonnen, die Umweltschutzagenda umzusetzen, wegen der ihn viele Bürger 2008 ins Weiße Haus gewählt hatten. Er hat den Autoherstellern verschärfte Normen für den Benzinverbrauch aufgezwungen und den Kraftwerksbetreibern strengere Schadstoffregeln. Er hat Staatsgeld bereitgestellt, um Solaranlagen zu finanzieren. Und er hat im August den Clean Power Plan ins Leben gerufen, dessen Umsetzung die Kohlendioxid- (CO₂-)Emissionen der Stromindustrie binnen 15 Jahren um 32 Prozent verringern soll.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 42 vom 15.10.2015.

Das Problem: Der Plan ist kein Gesetz. Er ist nie vom Kongress verabschiedet worden. Dort hätte die republikanische Mehrheit ihn scheitern lassen. Stattdessen hat Obama seine Umweltbehörde angewiesen, eine Verordnung zu erlassen. Der nächste US-Präsident könnte sie einfach aufheben. Ob Amerikas Industrie sich auf grünere Zeiten einstellen muss, entscheidet sich daher nicht im November in Paris, sondern ein Jahr später in den USA: bei der Präsidentschaftswahl. Sollte dann ein Republikaner ins Weiße Haus einziehen, dürfte Obamas Versprechen Makulatur sein.

Die Republikaner haben den Streit über den Klimawandel zur Glaubensfrage gemacht. Fast alle ihre Spitzenpolitiker weigern sich – zumindest öffentlich –, als wissenschaftlich erwiesen anzuerkennen, dass die Erwärmung der Erde menschengemacht ist. Sie treffen damit einen Nerv vieler Amerikaner. Das Umweltthema spaltet die US-Gesellschaft wie sonst allenfalls Abtreibung. In einer Umfrage der Yale University vom Sommer gaben zwar 63 Prozent der Teilnehmer an, der Klimawandel sei real. Allerdings glaubten nur 48 Prozent, der Mensch verursache ihn.