Sie sind besser in der Schule, machen öfter Abitur und sind auch an der Universität in der Überzahl. Frauen sind eigentlich überall auf dem Vormarsch. Überall? Nicht in den sogenannten Mint-Fächern (Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Technik) und auch nicht im IT-Bereich. Hier sind sie nach wie vor klar in der Minderzahl.

Dabei versuchen Unternehmen, Schulen und Hochschulen schon lange eine ganze Menge, um diese Ungleichheit zu beseitigen. Da gibt es Angebote wie den Girls’ Day oder fabelhafte Programme von Unis speziell für Schülerinnen, die mehrtägige naturwissenschaftlich-technische Projekte zum Ausprobieren belegen können. Die Schwerpunkte bei der Wahl des Studienfachs werden schon in der Oberstufe angelegt. Doch was bringt’s? Schülerinnen wählen immer noch überwiegend Leistungskurse in Deutsch, Englisch, Französisch, Kunst und Musik. Wenn sie sich für die Naturwissenschaften entscheiden, dann eher für Biologie, aber selten für Physik oder Chemie. So lag denn auch der Anteil der Studienanfängerinnen im Fach Elektrotechnik im vergangenen Wintersemester bei gerade mal zwölf Prozent. Das ist zwar dreimal so viel wie vor 20 Jahren, schafft aber Probleme, wenn sich die Industrie eben auch technisch versierte und nicht nur etwa juristisch oder betriebswirtschaftlich fitte weibliche Fachleute erhofft.

Warum steigt die Zahl trotz all der Bemühungen nur so schleichend langsam?

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 42 vom 15.10.2015.

Als Erklärung werden oft überkommene Rollenklischees herangezogen. Die altmodische und naive Vorstellung etwa, dass Frauen beruflich ein weibliches Vorbild brauchen, um ihm nachzueifern. Warum spricht niemand das Naheliegende aus: Womöglich wollen viele Frauen einfach nicht Ingenieurin, Mathematikerin oder Technikerin werden!

Vielleicht liegt es einfach in der Natur der Dinge, dass Frauen andere Präferenzen haben als Männer. Das zeigt etwa die amerikanische Langzeitstudie SMPY (Study of Mathematically Precocious Youth): Männer, so ein Ergebnis, bevorzugen die Arbeit mit Dingen, Frauen mit Menschen. Die Unterschiede manifestierten sich früh und blieben weitgehend stabil. In Medizin, Recht oder Finanzen war die Verteilung der Geschlechter fast ausgeglichen. Aber in den Mint-Sektor zog es vor allem Männer, Frauen dagegen in die Schule und das Gesundheitswesen. Die Forscher wollen darin nichts Negatives sehen. Sie erkannten vielmehr, dass aufgrund der größeren sprachlichen Begabung mathematisch besonders versierten Frauen breitere Berufsperspektiven offenstanden.

Dies ist ein freies Land, und wenn sich die jungen Frauen bei aller Förderung und Information nicht für Mint entscheiden, muss man das respektieren. Auch das ist Emanzipation.