Ein Wort darüber, wovon Autoren am liebsten sprechen: über Geld. Und zwar nicht über Buchhonorare, sondern darüber, was die deutsche Literaturlandschaft sonst noch bietet. Wer auf die hoch dotierten Preise schaut, die gerade wieder vergeben werden, der könnte meinen, alles stünde zum Besten. 25.000 Euro bekam Frank Witzel für den Deutschen Buchpreis, Anfang November erhält Clemens Setz den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis und 30.000 Euro, den Büchner-Preis und 50.000 Euro gibt es für Rainald Goetz. So weit, so üppig. Aber der Weg dorthin sieht weitaus kärglicher aus. Denn für ihr Schreiben werden selbst ausgewachsene Schriftsteller wenn überhaupt, dann oft mit Stipendien gefördert, für die kein Doktorand einen müden Gedanken an seine Dissertation verschwenden würde.

700 Euro pro Monat bekommt, wer ein halbes Jahr im Künstlerhaus Lauenburg arbeiten möchte. Der Stadtschreiber in Dresden bekommt 900 Euro und eine mietfreie Wohnung; als Burgschreiber in Beeskow kriegt man ein halbes Jahr 750 Euro im Monat. In Pfaffenhofen darf der Joseph-Maria-Lutz-Stipendiat kostenlos drei Monate im barocken Flaschlturm in der Altstadt wohnen und kriegt 800 Euro monatlich. In der Soltauer Künstlerwohnung gibt es vier Wochen kein Geld, dafür auf Wunsch "fürsorgliche Betreuung durch die Soltauer Bürgerinnen und Bürger". 500 Euro gibt es für den Autor, der 42 Tage bei Putlitz im nördlichen Brandenburg arbeiten möchte, und 820 Euro bekommt, wer im brandenburgischen Schloss Wiepersdorf schreiben darf. Daheim läuft derweil die Miete weiter, und zu Lesungen darf der Autor auch nicht reisen, denn es herrscht meistens Residenzpflicht.

Nun wird niemand gezwungen, sich zu bewerben oder überhaupt Schriftsteller zu sein. Und natürlich ist Deutschland mit seinem System aus Stipendien, Preisen und seinem honorierten Lesungsbetrieb ein weltweit beneidetes Autorenparadies. Das lokale Engagement von Literaturenthusiasten ist bewundernswert, und jeder Schriftsteller sollte dankbar sein, wenn ihm der Steuerzahler einen Villa-Massimo-Aufenthalt in Rom und 2.500 Euro monatlich ermöglicht; es gibt sie ja, die gut dotierten Stipendien. Ohnehin kann man endlos darüber streiten, ob mehr Subventionen mehr oder weniger Nobelpreise bedeuten. War nicht selbst Goethe ein Freizeitautor mit einem ordentlichen Brotberuf als Minister? Dass jedoch Aushungern von Autoren keine künstlerische Lösung ist, sieht man am traurigen Niedergang der einst glanzvollen italienischen und spanischen Literatur. Und im Namen der Kunst gegen die vermeintliche "Stipendienliteratur" die romantische Figur des armen, sich aufopfernden Künstlers zu beschwören ist aus eher satten Lebenslagen heraus nicht nur bequem, sondern geht an der Sache vorbei: Ästhetische Gefahr droht viel stärker von den Schreibfabriken in Hildesheim und Leipzig. Solange also hierzulande Wissenschaften und Künste gefördert werden, so lange sollte der Appell an die Ehre aller Autorenförderer lauten: Bitte keine Almosen, sondern 1.500 Euro Mindeststipendium!