Diese Kolumne, ein Ort der Leichtigkeit in einem Ressort der Schwere, ist eine 26 Zeilen dauernde Realitätsflucht, was ihren Autor zwangsläufig zu einem Flüchtling macht. Laut der Kanzlerin kann man die Flüchtlingsfrage nur dadurch lösen, dass man Lasten gerechter verteilt, die Türken all das machen lässt, was man selbst nicht erledigen will, und die Fluchtursachen bekämpft. Nun, die Lasten gerechter verteilen möchte ich nicht, weil dann über dieser Kolumne auch mal Hildebrandt, Klingst oder gar Geis stünde – und nicht mehr nur Dausend.

Die Türken ranzulassen ist auch keine Option, schließlich heißt unser Blatt ja DIE ZEIT und nicht ZAMAN. Bleibt also nur, die Fluchtursachen zu bekämpfen. Die Gründe, die einen Parlamentskorrespondenten, zuständig für SPD, Verteidigungsministerium und ein bisschen FDP, vor der Realität fliehen lassen, sind schnell benannt: die SPD, das Verteidigungsministerium und ein bisschen FDP. Das ist natürlich böse, manche würden sagen: gemein. Aber wenn ich jetzt anfange, mich noch entschuldigen zu müssen dafür, dass ich dem Dauerelend meines Berichtsgegenstands einen davoneilenden Rücken zeige, dann ist das nicht mein Land, äh, meine Kolumne. Außerdem: Vor dem Elend fliehen, um in ihm anzukommen – ich schaffe das!