ZEIT: Herr Gebauer, der DFB soll laut Recherchen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel möglicherweise mit 6,7 Millionen Euro aus ungeklärter Herkunft Stimmen von asiatischen Mitgliedern der Fifa-Exekutive für die Wahl Deutschlands als WM-Gastgeber gekauft haben. Der DFB bestreitet das vehement. Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie von den Vorwürfen gegen den DFB und seinen Präsidenten Wolfgang Niersbach, früher als Vizepräsident des Organisationskomitees tätig, gehört haben?

Gunter Gebauer: Der erste Gedanke war: Wer auch immer derjenige war, der dem Spiegel die Sache gesteckt hatte – das Timing ist perfekt. Jedenfalls wenn man Wolfgang Niersbach schaden will. Und der zweite Gedanke war: Hoffentlich hat der Spiegel genügend Dokumente, um seine Behauptungen zu beweisen. Wenn nicht, bliebe ein übler Nachgeschmack, auch wenn Niersbach unbelastet sein sollte.

ZEIT: Wie beurteilen Sie die Lage heute, knapp eine Woche nach den Enthüllungen?

Gebauer: Normalerweise legt der Spiegel, sobald auch nur ein Zweifel an der Belastbarkeit seiner Recherchen entstehen könnte, noch mal richtig nach. Darauf warte ich jede Minute. Ansonsten könnte das auch für den Spiegel unangenehm werden.

ZEIT: Der Affäre hat sich mittlerweile zu einem Duell zwischen Niersbach und seinem Vorgänger im Amt des DFB-Präsidenten, Theo Zwanziger, entwickelt, der über seinen Anwalt mitteilen lässt: "Seit drei Jahren bittet Dr. Zwanziger den DFB-Präsidenten Niersbach, seiner Pflicht zur Aufklärung nachzukommen, denn der großartige Verlauf der WM 2006 hat es nicht verdient, mit Spekulationen beschädigt zu werden." Welches Motiv könnte Zwanziger haben?

Gebauer: Die Dinge, die nach seinem Ausscheiden beim DFB geschehen sind, die Art und Weise, wie Niersbach über ihn sprach und spricht, haben ihn vermutlich tief verletzt. Zwanziger ist ein Mann, der aus dem Amateurbereich kommt, dort genoss er Rückhalt. Sein Nachfolger hingegen ist ein Kind des Profisports, der sich noch dazu das ihm übertragene Ehrenamt zu üppig entlohnen lässt – jedenfalls nach Auffassung Zwanzigers.

ZEIT: Will sich Zwanziger rächen, indem er sich als von Gewissensbissen gepeinigter, um Aufklärung bemühter Funktionär gibt?

Gebauer: Dieses Motiv halte ich für wenig wahrscheinlich. Zwanziger ist Jurist, er war Richter, ihm sollte der Gedanke an Rache vollkommen fremd sein. Verletztheit könnte ein Motiv sein.

ZEIT: Niersbach sagt, er könne schwarze Kassen "absolut und kategorisch ausschließen".

Gebauer: Und er kann sich auch sonst an absolut gar nichts erinnern. Ein Klassiker! Empörung auf der einen, Gedächtnislücken auf der anderen Seite. Beides ohne belastbare, logische Begründung. Das macht mich sehr misstrauisch.

ZEIT: Und was, wenn das einfach der Wahrheit entspricht?

Gebauer: Natürlich gilt auch in seinem Fall die Unschuldsvermutung. Aber das Mindeste, was man sagen muss, ist: Er wurde, was die Formulierung dieses Dementis betrifft, schlecht beraten. Als Fußballfan möchte ich nun wissen: Wieso zahlt der DFB an die Fifa Geld für ein Kulturprogramm, das in seinem eigenen Stadion stattfindet? Wofür wurden die 6,7 Millionen Euro verwendet? Das kann doch nicht so schwierig sein. Und wann genau erfuhr Niersbach von den Ungereimtheiten?