Er schob dann noch ein "hoffentlich" dazwischen, ein kleines Wort nur, das so viele Probleme auf den Punkt bringt: "Wir alle wissen, dass es in Hamburg wie überall in Deutschland so sein wird, dass es auch im Winter – hoffentlich – winterfeste Zelte geben wird", sagte Bürgermeister Olaf Scholz vergangene Woche in seiner Regierungserklärung zur Flüchtlingssituation. "Wir werden vielen vieles abverlangen. Auch den Flüchtlingen." Das sagte Scholz auch noch.

Aber was heißt das eigentlich genau, "abverlangen", wenn man über Menschen spricht, die im Winter zwischen dünnen Planen leben? Welche Zustände hielten jene Flüchtlinge nicht mehr aus, die vergangene Woche vor dem Rathaus gegen Kälte in den Zelten demonstrierten? Und warum war es so wichtig, dass Olaf Scholz kurz darauf versprach, Frauen, Kinder und Kranke schnellstmöglich aus den Zelten zu holen?

"Die Zelte" sind in Hamburg zu einem feststehenden Begriff geworden, in dem stets mitschwingt, dass es darin irgendwie schlimm sein muss, aber dass es eben nicht anders geht. Nur: Wie schlimm ist es wirklich? Und was sind das für Zelte? Unsere Infografiker haben sie geöffnet.

Natürlich, es gibt die "guten Zelte", jene aus dem Bestand der Bundeswehr. Diese zeigen wie auf dieser Seite nicht. Diese Zelte lassen sich leicht beheizen, ihre Wände halten selbst der Kälte am Hindukusch stand. Bis die Plane undicht wird, braucht es wohl mehrere Monsunregen. Allein: Von den rund 4.000 Flüchtlingen, die in Hamburg in Zelten untergekommen sind, leben laut Innenbehörde nur etwa 750 in den "guten". Zum Beispiel an der Oktaviostraße in Marienthal und am Ohlstedter Platz.

Tausende andere haben Pech im Unglück, sie leben in Zelten wie jenem, das oben dargestellt ist: in Behausungen, die dem Miniaturmodell eines Bierzelts gleichen. So etwa im Jenfelder Moorpark, in der Dratelnstraße in Wilhelmsburg oder in der Schnackenburgallee in Stellingen.

Bis der Senat vor einigen Tagen auf die Kritik an den Zeltlagern reagierte, war das Bild, das sich dort bot, oft verheerend. Regnete es, verwandelten sich die Trampelpfade zwischen den Zelten in Sumpflandschaften. Die Menschen fühlten sich unter den Planen dann eingeschlossen wie in einer Falle. In manche Zelten regnete es rein, bis die Feuerwehr Schutzfolien über die Dächer legte. Anderswo musste aufgrund von Schimmelbefall geräumt werden. Ohnehin hängt überall eine kalte Feuchtigkeit in der Luft, in den Decken und in den Kleidern der Bewohner. Stauraum wie Schränke haben die Flüchtlinge in den Zelten nicht. Was sie haben, verstauen sie in Tüten unter dem Bett. Ihre Wäsche hängen sie zum Trocknen an den Zeltstangen auf.

All das lässt den ohnehin schon knappen Raum noch beengter wirken. Auf knapp 36 Quadratmetern leben bis zu 16 Bewohner aus teils verschiedenen Kulturkreisen. Rechnet man die Fläche weg, die die Betten einnehmen, bleibt knapp ein Quadratmeter Aufenthaltsfläche pro Person.