Edda Darboven sagt: "Kommen Sie, wir gehen rauchen!", und schon steht man wieder in der Fußgängerzone. Der Abend spielte sich dem Empfinden nach mehr vor dem Levantehaus ab als drinnen, weil Frau Darboven eben ein Faible für Nikotin hat.

Warum auch nicht, ihr Mann Albert trinkt ja auch 14 Tassen Kaffee am Tag. Das ist überhaupt eine Generation, die noch belastbar ist. Wellness? Ach, bitte. Albert "Atti" Darboven fährt mit 79 immer noch Trabrennen. "Nur mit dem Polo geht es nicht mehr so." Das sagt er an diesem Montagabend, der Hamburger Renn-Club hat eingeladen. Rückschau auf die vergangene und Ausblick auf die kommende Derby-Saison.

Darboven wirkt drahtig wie ein Jockey und soigniert wie ein Senator aus den Buddenbrooks, aber bevor man ihn fragen kann nach Coffee Prince, seinem Rennpferd, und wie es weitergehen wird mit Nutan, dem Sieger des letzten Derbys – Nachfahr des Duke of Marmalade, Decksprung: 3.500 Euro –, heißt es schon wieder: Kommen Sie doch, eine rauchen.

Geht man also wieder raus, in den Shopping-Rummel, und schaut, wie lässig Edda Darboven zwischen den Sphären und Tonlagen vermitteln kann.

Sie verwickelt Bekannte ins Gespräch, moderiert hier einen Small Talk, koordiniert da ein Wiedersehen. Sie stellt vor, leitet über, erzählt eine Anekdote aus der Uni-Zeit ("Und dann hieß es, Sie nehmen nur einem Mann den Studienplatz weg"), erklärt, warum man als Jäger Tiere lieben muss und warum die Norddeutschen "keine Brezeln können". Und es stimmt ja auch, die Brezeln sind trocken wie Sägemehl, trockener ist nur noch der Humor von Heike Jahr. Auf das Lamento eines Herrn, man werde gar nicht mehr ernst genommen, sagt sie nur: "Zum Glück."

Wie man da vom einen Bein aufs andere tritt, fröstelnd wie Teenies, die sich in der Pause nach unten in den Schulhof verdrücken, um noch eine zu schmöken, wie die Bonmots hin und her flirren und Edda Darboven scherzt, das "Lüngerl" sei noch in Ordnung, da begreift man: Das Offizielle ist in seiner elegantesten Form immer auch persönlich und ungezwungen. Bis an die Grenze zum Vertraulichen kann diese Nonchalance gehen. Man merkt kaum, dass der Abstand gewahrt bleibt.

So stehen wir da, umbraust vom Menschenstrom des Feierabends, und drinnen der Applaus für Nutan, Spross des Duke of Marmalade.