1. Freiheit – der Mensch sollte das letzte Wort haben!

Brauchen wir selbstfahrende Autos, automatisierte Häuser und Roboterspielzeuge? Eigentlich sollte der Mensch das letzte Wort haben. Doch wir schenken Mitmenschen weniger Vertrauen als Maschinen. Egal, ob es darum geht, sich im Auto anzuschnallen oder Bankkredite zu vergeben.

Und was ist mit den unsichtbaren Schranken, die unsere Handlungsfreiheit einschränken, weil Systeme über Menschen urteilen, Algorithmen Entscheidungen treffen? Bewerber dürfen sich nicht mehr persönlich vorstellen, weil ein Computerprogramm ihre mangelnde Qualifikation errechnet hat. Kunden erreichen im Callcenter keinen Servicemitarbeiter mehr, weil ihr Wert für das Unternehmen zu gering ist. Hier kann von neutraler Technik keine Rede sein. Das Werturteil ist schon in der Entscheidung enthalten, welche Informationen herangezogen werden.

Doch es geht auch um unsere Gedankenfreiheit. Kommunikationstechnologien sollten so programmiert sein, dass sie Sucht und Abhängigkeiten vorbeugen, dass sie uns Entscheidungsspielräume geben. Unsere Aufmerksamkeit darf nicht einfach absorbiert werden.

Wir müssen uns darauf verständigen, dass Freiheit heißt, dass wir die Technik kontrollieren können, die uns umgibt. Dass diese nicht paternalistisch mit uns umgeht, uns nicht abhängig macht und unsere Aufmerksamkeit schont.

2. Wahrheit – wir haben ein Recht zu wissen, was wirklich passiert!

IT-Transparenz würde bedeuten, dass Unternehmen, aber auch Kunden, Zugang zu ehrlicher und verständlicher Information haben. Wie arbeiten die eingesetzten IT-Systeme? Wie richten sie? Die Schufa etwa sollte öffentlich bekanntgeben, wie der Kreditscore ermittelt wurde und welche Algorithmen hier was mit welchen Daten gerechnet haben. Wir gehen davon aus, dass Computer richtig rechnen. Aber derzeit haben 1.000 Zeilen Computercode statistisch etwa zwei bis drei Fehler, die zu falschen Schlussfolgerungen des IT-Systems führen können und möglicherweise zu fatalen Konsequenzen für Betroffene.

Schließlich gehört zur Wahrheit eine Art Objektivität. Überlassen wir das Finden von Wahrheit Algorithmen, so zeigt uns etwa Facebook nur solche News, von denen der Algorithmus glaubt, dass sie uns zusagen. Es entstehen "Filter Bubbles", Blasen ausschnitthafter Wirklichkeit. Die Folge ist ein narzisstisches Auseinanderdriften der Gesellschaft, die sich nicht mehr auf die Wahrheit einigen kann.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 44 vom 29.10.2015.

Wahrheit in Bezug auf Computersysteme heißt, dass diese richtig, transparent und objektiv operieren müssen und, wo sie dies nicht tun, die eigenen Grenzen klar kommunizieren.

3. Gesundheit – Computer dürfen uns nicht krank machen!

Ja, es gibt positive Auswirkungen von IT auf unsere Gesundheit: Neue Apps motivieren uns, mehr zu laufen, durch Neurofeedbacksysteme können wir sogar das Meditieren erlernen. Auch entstehen Computerprogramme wie der IBM Watson, die versprechen, ärztliche Diagnosen zu unterstützen oder gar zu ersetzen. Aber: Wir wissen, dass zu viel Computerarbeit und Onlinespiele sich negativ auf unsere körperliche Gesundheit auswirken, etwa zu Fettleibigkeit oder Rückenleiden führen. Auch der mentale Zustand wird durch IT gefährdet. Viele Menschen sind in Behandlung wegen Computersucht. Jugendliche, die nicht mehr aufhören können zu spielen. Berufstätige, die aggressiv reagieren, wenn man sie beim Abendessen davon abhalten will, Mails zu checken.