Mein Vater ist ein Flüchtling. Ich hatte das völlig verdrängt. Wenn wir in Redaktionskonferenzen über das Thema Flüchtlinge reden, gehöre ich eher zu den Reaktionären. Ich mache mich für Abschiebungen stark, ich kann es nicht leiden, wenn so getan wird, als wäre nach oben offenes Asyl irgendwie kein Problem und als koste uns das alles gar nichts. Wenn Flüchtlinge einen der Ihren fast totprügeln, weil er den Koran "geschändet" hat, wenn Metallstäbe der Betten einer Erstaufnahme zu Schlagstöcken für eine Massenschlägerei zwischen Albanern und Kosovaren umfunktioniert werden, dann schäme ich mich. Ich ärgere mich nicht. Ich schäme mich – als wären es meine Cousins, die da prügeln.

Das hätte mich schon auf die Idee bringen können, dass da was im Busch ist mit mir und den Flüchtlingen. Dass es nicht einfach um politische Ansichten geht.

Dann stand ich vergangene Woche in einem Berliner Flüchtlingsheim vor einer Schultafel, auf der mit Kreide "Sobh bekheir" geschrieben war, das heißt "Guten Morgen" auf Persisch, und alles war wieder da.

Am Haus meines Vaters stand ein Agent, vor dem Gesicht eine Zeitung mit Gucklöchern

Mein Vater, Bahman Nirumand, war einst Deutschlands berühmtester Flüchtling. Hierhin war er in den sechziger Jahren aus dem von Schah Reza Pahlevi regierten Iran geflohen. Am Tag bevor der Schah im Juni 1967 die Deutsche Oper in Berlin besuchte, stand mein Vater im Audimax der Freien Universität und schrie seine Wut gegen das Regime in seiner Heimat hinaus. Bei der Demonstration am Tag darauf wurde der Student Benno Ohnesorg erschossen – die Initialzündung für die Studentenbewegung von 1968. Mein Vater wurde zu einer ihrer Galionsfiguren. Im Jahr 1979, nachdem die Mullahs den Schah gestürzt hatten, kehrte Bahman Nirumand jubelnd in den Iran zurück. Als zwei Jahre später die iranische Revolution endgültig in eine Diktatur kippte, musste er erneut fliehen. Diesmal kam er gebrochen und enttäuscht nach Deutschland.

Sobh bekheir – langsam erscheinen die Bilder wieder, an die ich so lange nicht mehr gedacht habe.

Im Juli 1980, ich war gerade achtzehn geworden, flog ich zu meinem Vater nach Teheran. Ein Jahr zuvor, im Jahr der islamischen Revolution, hatte ich in Berlin eine Ausbildung zur Krankenschwester begonnen – auch aus Trotz gegen meine Eltern, die Höheres mit mir vorhatten. Wenn ich mich frage, wie aus der Tochter von Bahman Nirumand, dem iranischen Intellektuellen, dem Flüchtling, eine Reaktionärin werden konnte, dann komme ich immer wieder auf diese Reise nach Teheran, mitten hinein in die iranische Revolution.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 45 vom 5.11.2015.

Nie zuvor und niemals danach habe ich meinen Vater so glücklich und ausgelassen gesehen wie in jenem Sommer. Bei über vierzig Grad saßen wir in der Küche seines Apartments und lachten, bis uns die Tränen die Wangen runterliefen. Wir aßen riesige Wassermelonen und Pistazien, tranken Whisky und fuhren ans Kaspische Meer, wo Frauen beim Baden lange Kleider zu tragen hatten. In diesem Sommer wurden im Iran bereits Menschen hingerichtet. Sie seien Hofschranzen des Schahs gewesen, erklärte mir mein Vater, um die es das revolutionär gestimmte Volk nicht schade fände. Dennoch roch es nach terreur, die Leute wollten Blut sehen, und meinen Vater grauste diese Stimmung. Ihm schwante, wohin die Bewegung driftete, in die er solche Hoffnungen gesetzt hatte. Er organisierte Demonstrationen gegen Chomeini, gegen die Menschenrechtsverletzungen und auch gegen den Tschador, einen Umhang für Kopf und Körper, der den iranischen Frauen aufgezwungen wurde.

Seine Aktionen blieben nicht unbemerkt. Wenn wir morgens aus dem Haus traten, stand auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Typ mit einer Zeitung vor dem Gesicht, in die zwei Gucklöcher geschnitten waren. Wir lachten ihn aus: "Hey, Geheimdienst! Ihr müsst noch üben, was?"

Der Tag meines Abflugs

Zu diesem Zeitpunkt hatten iranische Studenten bereits die amerikanische Botschaft besetzt und hielten dort 52 Menschen als Geiseln. Vor der Botschaft rüttelten die Menschen an den Gitterstäben, getrieben von ihrem Hass auf die USA, die den Schah aufgenommen hatten. Ungehemmt entlud sich die Wut über dessen brutal durchgesetzte Säkularisierung und den westlichen Imperialismus. An den Hauswänden hingen riesige Porträts des zornigen Chomeini, überall waren die Worte "marg bar Amrika!" zu lesen, "Tod, Amerika!".

Auf dem Dachboden meines Vaters stand eine Druckmaschine, mit Flugblättern protestierte er gegen die Besetzung der Botschaft. Er war damals Teil der Nationaldemokratischen Front, die eine demokratische, freiheitliche Republik im Geist des einstigen iranischen Premierministers Mohammed Mossadegh wollte.

Mossadegh war die Chance der Iraner auf eine eigene Demokratie gewesen. Im Jahr 1953 stürzten ihn Großbritannien und die USA, weil er die Ölindustrie verstaatlichen wollte. Das war einer der folgenschwersten Fehler, die der Westen im Nahen Osten je begangen hat.

Wenn ich "Amerika" sage, denke ich an GIs gegen Hitler, an 1776, an den "Pursuit of Happiness", an mein Studium in Indiana und an die Fernsehserie The Wire. Wenn mein Vater "Amerika" sagt, denkt er an Mossadegh. Hätte man Mossadegh nicht gestürzt, da ist er sicher, hätte die gesamte Region ihr eigenes Modell der Demokratie entwickeln können. Dann läge heute vielleicht nicht alles in Trümmern.

Der Tag meines Abflugs war gekommen. Mein Vater hatte mir durch Bestechung einen iranischen Pass besorgt, mein deutscher war mir bei meiner Einreise abgenommen worden. Neben dem neuen Pass hatte ich zwei Briefe in meiner Handtasche. Darin berichtete mein Vater über die Hinrichtungen, den Mangel an Demokratie, den Beginn des islamischen Straßenterrors. Ich sollte sie Freunden in Deutschland übergeben.

Bei der Kontrolle am Flughafen wurden die Briefe entdeckt. Ein Mann in Uniform zog sie aus meiner Handtasche, schlitzte die Umschläge auf. Während er las, saß ich ihm gegenüber. Hinter mir stand ein Bewaffneter, der mir schweigend über die Schulter sah. Rechts von uns war ein Glasfenster, durch das mein Vater hereinschaute. Ich versuchte ihm unter dem Tisch ein Zeichen zu geben, er solle verschwinden.

Ich war kalt vor Angst. Dann fragte mich der Mann: "Wer hat Ihnen diese Briefe gegeben? Nichts davon ist wahr!" Mein Vater hatte die Briefe offenbar nicht unterschrieben. Also stotterte ich etwas von einem Hotel in Ghom, wo man sie mir zugesteckt hätte. "Außerdem", fügte ich in meinem Adrenalin-gesteuerten Angst-Irrsinn hinzu, "muss ich nach Deutschland zurück. Iranische Krankenschwestern werden dort dringend gebraucht!" Der Uniformierte quittierte meine Worte mit einem zufriedenen Grunzen und ließ mich gehen. Das gefiel ihm: Im angeblich so hoch technisierten Deutschland sind sie auf Iraner angewiesen!

Lange Zeit war dieses Erlebnis in mir schockgefroren. Heute, wo ich selbst Mutter dreier Kinder bin, macht es mich ratlos. Wie kann man seine Tochter in solche Gefahr bringen? Vermutlich war mein Vater sicher, im Chaos der Revolution würden die zwei Briefe nicht entdeckt werden. Er selbst sagt, diese Geschichte sei frei erfunden.

Der Iran, die Politik geht vor

Ein paar Monate später, im Herbst 1980, begann der Krieg gegen den Irak – "ein Gottesgeschenk", wie Chomeini sagte. Dieses Geschenk kostete eine Millionen Menschen das Leben. Acht Jahre lang ermöglichte es der Krieg Chomeini, im Namen der nationalen Sicherheit zu verhaften, zu foltern und zu unterdrücken. Für meinen Vater und seine Freunde wurde es im Iran lebensgefährlich. Jeden Abend schliefen sie in einem neuen Versteck. Irgendwann ging es nicht mehr. Er musste fliehen.

Der Iran war ihm immer wichtiger als das private Glück, als seine Familie

Es war eine halsbrecherische Aktion: ein opiumsüchtiger Schlepper, der ihn und seine Freunde, darunter ein Enkel von Mossadegh, in helllichtem Mondschein an den Grenzern vorbei nach Pakistan brachte. Es war das dritte Mal, dass mein Vater die für ihn demütigende Reise nach Deutschland antreten musste: Das erste Mal, 1952, hatten ihn seine Eltern mit 15 Jahren ohne jede Sprachkenntnis zum Schulbesuch und Studium nach Deutschland geschickt. Erst 1960 kehrte er in den Iran zum Militärdienst zurück. Das zweite Mal musste er im Jahr 1965 gehen, nachdem er Kritisches über den Schah geschrieben hatte. Und das dritte Mal, im November 1981, floh er vor den Häschern der Islamischen Republik.

Ich hatte monatelang nichts von ihm gehört. Für mich war das nicht ungewöhnlich. So lange ich denken kann, geht der Iran, geht die Politik bei meinem Vater vor. Er liebt seine Familie, seine Freunde; er spielt begeistert Skat und kann Witze erzählen, die das Haus rocken. Aber der Iran war immer wichtiger als das Glück, als private Beziehungen, wichtiger als die Familie. "Es war ein schmerzhafter Verzicht, was glaubst du denn?", sagt er heute. Die Autobiografie meines Vaters heißt Weit von dem Ort, an dem ich sein müsste. Der Abschnitt über unsere gemeinsamen Jahre – meine Eltern trennten sich 1972, als ich zehn Jahre alt war – ist kürzer als der über Ajatollah Chomeini. Als Kind glaubt man zu wissen, wo der Ort ist, an dem Papa sein müsste: bei der kleinen Mariam selbstverständlich. Später muss man lernen, höflich beiseitezurücken – nicht das Kind, sondern ein wildes, rätselhaftes Land ist die Nummer eins. Zum Teufel mit dem Iran!

Heute sehe ich, dass eben all das zur Tragik des Flüchtlings gehört. Er sehnt sich nach einem Land, das es nicht mehr gibt. Ein Land obendrein, das ihn ausgespuckt hat. Meinem Vater könnte vermutlich nichts Schlimmeres passieren, als tatsächlich zurückkehren zu dürfen an den Ort, an dem er sein müsste. Er würde den Iran nicht aushalten, da bin ich ziemlich sicher. Aber können müsste er halt dürfen! Wenn dieser Tage über Flüchtlinge im Fernsehen berichtet und über Unterbringung, Unterhalt und Dixi-Klos geredet wird, vergisst man oft: Keiner dieser Flüchtlinge wird je wieder irgendwo wirklich zu Hause sein.

Über die Jahre und Jahrzehnte hat es immer wieder Deutsche gegeben, die meinem Vater Freundschaft, Solidarität und Liebe entgegenbrachten: zuerst die Gastfamilie im Schwäbischen, dann die Eltern meiner Mutter, ein Uhrmachermeister und seine Frau, beide aus der gegen die Nazis gegründeten Bekennenden Kirche, für die es in ihrer Schwelmer Kleinstadt in den fünfziger Jahren nicht einfach war, einen Ausländer in die Arme zu schließen. Und natürlich meine Mutter, damals begeisterte Germanistin, die für die Liebe zu ihrem Bahman alles stehen und liegen ließ und ihm in den Iran folgte – was nicht immer leicht für sie war. Aber auch Hans Magnus Enzensberger, Daniel Cohn-Bendit, Otto Schily, Gerhart Baum, Eberhard Diepgen, Peter Schneider und, und, und. Überhaupt hat die deutsche Gesellschaft sich im Laufe der Jahre die Kritik des Flüchtlings Bahman Nirumand an der Kumpanei des Westens mit dem romantisch verklärten Schah von Persien zu eigen gemacht, der im Luxus von Tausendundeiner Nacht lebte, während er seinem Volk ein blutiger Diktator war. Mein Vater und seine Freunde aus der Studentenbewegung von 1967, sie haben gewonnen, auf ganzer Linie.

Ich zeigte das Vollbild der Renegatin

Für meinen Vater ist Osama bin Laden ein Mitarbeiter der CIA gewesen

Aber die Bücher meines Vaters heißen immer noch Leben mit den Deutschen, Fremd bei den Deutschen oder Angst vor den Deutschen. Bei ihm steht oft die Kälte im Vordergrund, der Materialismus, die eisige Rationalität. Immer wieder erzählt er von seiner ersten Zeit in Deutschland, damals in den Nachkriegsjahren, als er im zerbombten Stuttgart bei einer Gastfamilie lebte. Zum Mittagessen kamen drei Stück Fleisch auf den Tisch, für drei Leute. Einmal kam unvorhergesehen ein Schwager zu Besuch. Mein Vater teilte sein Kotelett mit ihm. Dafür legte der Schwager ihm nach dem Essen ein Geldstück auf den Tisch. Für Gastfreundschaft zu bezahlen – für meinen Vater ist das unbegreiflich.

Das mit der Kälte der Deutschen ist nicht nur eine Projektion, eine Abwehr der Trauer darüber, dass seine Eltern ihn als Kind in die Fremde geschickt hatten. Es ist auch die Erinnerung an die schwäbische Gastfamilie in den fünfziger Jahren, die sich beim Essen anschwieg. An den Mann bei der Ausländerpolizei, der ihm in den siebziger Jahren beibringen wollte, wie man "Bahman" schreibt ("Schriftsteller wollen Sie sein. ›Bahmann‹ schreibt man mit zwei n!"). Oder an den deutschen Grenzpolizisten, der ihn 1982, als mein Vater politisches Asyl in Frankreich bekommen hatte und das Auto seines Bruders fuhr, zwang, sich vor ihm und einem Kollegen splitternackt auszuziehen. Mein Vater war verdächtig: ein französischer Asylant mit einem deutschen Kennzeichen? Da war doch was faul. Nackt musste er sich bücken, sodass der Beamte ihm die Arschbacken auseinanderziehen konnte. Als er nicht fand, wonach er suchte, durfte mein Vater gehen. Nach Frankreich. Ohne den Wagen. "An alle, an alle", zitierte er damals einen Notruf aus einem Gedicht seines Freundes Enzensberger, "ich bin auf dem Grund allein".

Als das geschah, war ich gerade mit meiner Ausbildung zur Krankenschwester fertig geworden. Ich liebte meine Arbeit, wollte Ärztin werden, kam aber auf der Schule für Erwachsenenbildung vom Weg ab, ging nach Amerika und von da zur taz. Auch mein Vater – seit den späten Achtzigern zurück in Berlin – schrieb für die taz, wir liefen uns gelegentlich in der Redaktion über den Weg.

Aber unsere beiden Eisschollen trieben immer weiter auseinander. Ich hatte während des Bosnienkriegs und auch danach einen geradezu emphatischen Begriff vom Westen – dem Westen, der für meinen Vater immer mit Imperialismus verbunden bleiben wird. "Der Westen", sagt er, "hat Werte hervorgebracht, für die ich dankbar bin: Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde, Aufklärung. Aber sie gelten nur innerhalb der eigenen Grenzen. Außerhalb werden sie schnell fallen gelassen."

Ich war dringend für den Auslandseinsatz deutscher Soldaten. Im Kampf um das Berliner Holocaust-Mahnmal stand ich aufseiten Helmut Kohls. Ich geriet bei der taz in einen Kleinkrieg mit dem Feminismus und war eine Kapitalismusbegeisterte. Mit anderen Worten: Ich zeigte das Vollbild der Renegatin.

Ab 1997 war mein Name nicht länger Niroumand (so die Schreibweise in meinem Pass). Ich hatte den Mann meines Lebens getroffen und hieß von da an Mariam Lau. Und wo die Familie für meinen Vater über lange Jahre eher spießige Zumutung war, wurde ich zur Familienfanatikerin. Drei Mädchen in drei Jahren, Schokoladenschweinerei, Kissenschlacht, Weihnachten, Der Mond ist aufgegangen, ich konnte gar nicht genug davon bekommen.

Er ist überzeut, dass Bin Laden Mitarbeiter der CIA war

Wie mein Vater und ich jeweils den 11. September 2001 und die Folgen wahrgenommen haben, kann sich jetzt jeder ausmalen. Der Islamismus ist für ihn das bewusst herbeigeführte Ergebnis amerikanischer Außenpolitik, zuerst in Afghanistan und bald im ganzen Rest der Region. "Der Islam ist 1.300 Jahre alt. Was glaubst du, warum es erst jetzt Islamismus gibt?" Er ist felsenfest davon überzeugt, dass Osama bin Laden ein Mitarbeiter der CIA war. "Guck doch im Internet nach!"

Da ist nichts zu machen. Meine rückhaltlose Unterstützung des Irakkriegs 2003 (Tyrannensturz, immer richtig!) ist mir heute zwar peinlich. Aber genauso peinlich finde ich das ewige Selbstmitleid des Nahen Ostens. Immer sind die Juden, die Amerikaner, der westliche Imperialismus schuld. Wie soll man je auf die Füße kommen, wenn das so bleibt?

Wenn syrische Flüchtlinge mir heute in Berlin erzählen, der Westen sei ihnen Hilfe schuldig, weil Europa für ihr Elend verantwortlich sei, dann halte ich dagegen, mit der Wut aus fünf Jahrzehnten.

Ich halte Abschiebungen immer noch für nötig, und ich glaube immer noch, dass es mit dem Zustrom von Flüchtlingen nicht ewig so weitergehen kann. Ich bin wohl immer noch reaktionär. Aber in dem Strom derer, die kommen, erkenne ich einzelne Gesichter. Ich sehe Männer, die nicht mehr wissen, wer sie sind. Ich sehe Kinder, die keine Kindheit mehr haben. Ich sehe, dass die Leute, die eines Tages hinter der von mir geforderten Grenze stehen werden, meine Cousins sind. Auch die brutalen, faulen oder gemeinen unter ihnen.

Irgendwie haben mein Vater und ich es in der sogenannten Flüchtlingskrise geschafft, abzurüsten. "Ich habe mich geändert", sagt mein Vater jetzt, "ich bin durch die Hölle gegangen. Als ich aus dem Iran zurückkam, war da nichts mehr. Die Niederlage hat mich kaputtgemacht." In den achtziger Jahren hat er seine jetzige Frau Sonia getroffen. Sie hat ihm so viel Heimat und Familie gegeben, wie er schafft. Jetzt endlich, nach 18 Jahren Funkstille, kann er seine Enkelinnen in die Arme schließen. Und seine Tochter. Jetzt, wo im Nahen Osten alles brennt, finden wir in verblüffender Unaufgeregtheit zusammen. Es gibt wieder Pistazien und Whisky. Aber die Wassermelonen, die sind im Iran natürlich größer.

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