Jeden Morgen, bevor Maximilian Eckel und seine beiden Mitbewohner in den Arbeitstag starten, tun sie etwas Gutes: Sie zücken ihre Smartphones und öffnen eine App. Die heißt Goodnity, und sie stellt den Nutzern Fragen: "Wie spülst du dein Geschirr am liebsten?" oder "Trinkst du auf Flügen Tomatensaft?"

Die drei jungen Männer tippen die Antworten ein und sorgen so dafür, dass Geld für Hilfsprojekte für Kinder in Haiti gespendet wird. Jede Antwort bringt zwei Cent für das Hilfswerk Nuestros Pequeños Hermanos Deutschland. Das Geld zahlt Goodnity, aber es kommt letztlich von Marktforschungsfirmen, mit denen Goodnity Verträge gemacht hat.

Maximilian Eckel, Marc Beermann und Keith Gesche sind keine normalen Goodnity-Fans, sie sind die Erfinder der App. Die drei Uni-Absolventen haben ein Start-up gegründet, um aus der Smartphone-Anwendung ein profitables und wachsendes Geschäft zu machen. Sie sind nicht die Einzigen auf diesem Markt. Eine ganze Reihe junger Unternehmer entwickelt Smartphone-Apps, bei denen das Geschäftliche auf neuartige Weise mit dem Gemeinnützigen verbunden wird.

Die Macher wollen meist drei Ziele miteinander verbinden: das Spendenaufkommen erhöhen, der Marktforschung neue Mittel an die Hand geben und dabei selbst einen Gewinn einstreichen. Wenn das gelingt, wäre es eine Win-win-win-Situation.

Im Vergleich zu den anderen Altersgruppen spenden junge Leute bislang tatsächlich vergleichsweise selten. Laut Charity Scope, einer Studie der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK), gab im vergangenen Jahr nicht mal jeder Fünfte der unter 40-Jährigen Geld für gute Zwecke. Vom gesamten Spendenaufkommen werden nur neun Prozent von dieser Altersgruppe aufgebracht – obwohl sie etwa 40 Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 47 vom 19.11.2015.

Zugleich sind junge Menschen die Hauptzielgruppe für die werbetreibende Wirtschaft. Ihre Wünsche und Vorlieben sind für die Marktforschung von größtem Interesse. Welche Produkte kommen bei den jungen Verbrauchern an? An welchen Dienstleistungen haben sie Interesse? Wie kann man ihr Interesse wecken? Die Antworten auf solche Fragen sind bares Geld wert.

Mit dem Slogan "Helfen leicht gemacht" animiert Goodnity junge Leute, Fragen zu beantworten: "Deine Meinung für einen guten Zweck". Der App-Nutzer muss nicht selbst spenden, sondern er kann Spenden "generieren", wie es heißt. Indem er zum Beispiel Auskunft gibt auf Fragen wie "Welche Art von Urlaub machst du am liebsten?". Für jede beantwortete Frage spendet Goodnity 2 Cent, im Monat jedoch nicht mehr als fünf Euro pro Nutzer. Die Belohnung fürs Anklicken besteht in dem Gefühl, etwas Gutes getan zu haben. Man spendet, ohne dass das mehr kostet als ein wenig Zeit.

Wer Zeit hat, der kann heute über eine Vielzahl von Apps karitative Anliegen unterstützen. Über die App ShareTheMeal sammelt das United Nations World Food Programme Kleinstbeträge von 40 Cent pro Nutzer und Tag. Binnen drei Monaten wurden daraus rund 720.000 Euro und bis heute mehr als 2,3 Millionen Mahlzeiten für Kinder. ShareTheMeal wurde von den früheren Unternehmensberatern Sebastian Stricker und Bernhard Kowatsch in Berlin gegründet. Sie wollen möglichst viele Menschen dazu bringen, dass sie für Hungernde per Fingertipp im Smartphone spenden, wenn sie selbst gerade ihr Essen einkaufen oder verzehren.