Unter dem Titel Das geht die Eltern nichts an gab uns Christoph Eymann, Präsident der Schweizerischen Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK), letzte Woche (ZEIT Nr. 46/15) zu verstehen, was er von Mitsprache bei der Einführung des Lehrplans 21 hält: Nichts. Dafür brauche es "Fachleute und nicht ein Parlament". Die Eltern und das Stimmvolk gingen diese Fragen schon gar nichts an.

Vorneweg, ich gehöre keineswegs zu jenen religiös Motivierten, die sich gegen Aufklärungsunterricht in der Primarschule wehren. Auch bin ich ein Freund des Fremdsprachenlernens. Und doch gehe ich mit den Kritikern einig: Die Art und Weise, wie der Lehrplan 21 nun in den Kantonen eingeführt werden soll, widerspricht unseren demokratischen Usanzen diametral. Dass nur die Kantonsregierungen respektive deren Erziehungsräte darüber entscheiden, ob, wie und wann dieser eingeführt wird, widerspricht mir zutiefst.

Um dies zu ändern, sind nun von Baselland bis Graubünden Volksbegehren aufgegleist worden, welche vor allem eines wollen: eine Kompetenzverschiebung. Zwar liegt es auf der Hand, dass es Bildungsexperten braucht, um Lehrpläne, Lehrmittel und Stundentafeln auszuarbeiten. Ein Jekami dient niemandem. Ich sehe aber keinen Grund, warum das letzte Wort nicht bei den Kantonsparlamenten liegen soll. Oder, wenn es verlangt wird, beim Volk.

Dieser Artikel stammt aus der Schweiz-Ausgabe der ZEIT Nr. 47 vom 19.11.2015. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

In den letzten 20 Jahren fanden hierzulande über 300 kantonale Abstimmungen statt, in denen dem Souverän bildungspolitische Fragen zugemutet wurden. Es ging um neue Turnhallen, Lehrerlöhne und den Schulzahnarzt. Aber ebenso um Fragen, die den Schulunterricht betrafen: Mundart im Kindergarten, Limitierung der Klassengrößen, Ethikunterricht, handwerkliches Gestalten oder eben um die Fremdsprachen. Vor einigen Jahren hat das Volk sogar den Jugendmusikunterricht in die Bundesverfassung erhoben.

Bei jedem einzelnen Thema kann man geteilter Meinung sein. Falsch ist einzig, wenn man solche Entscheide den Bildungsbürokraten im Elfenbeinturm überlässt.