Endlich einmal gute Nachrichten für Bremen und Hamburg! Die Stadtstaaten erhalten bei Schulleistungsvergleichen im Normalfall ja nicht gerade Bestnoten. Nun aber zeigt eine Studie der Deutschen Telekom Stiftung: Wenn es um digitale Bildung geht, wird der Norden zum Vorbild. Dort sitzen Lehrer, die keine Angst vor Computern und digitalen Lernmaterialien haben, die nicht mehr über die aufs Handy starrenden Schüler fluchen, sondern deren Geräte clever in den Unterricht integrieren.

1.250 Lehrer von weiterführenden Schulen aus ganz Deutschland wurden für den Länderindikator "Schule digital" befragt. Der Bildungsforscher Wilfried Bos, Direktor des Instituts für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund, hat die Studie geleitet und war überrascht, wie weit die Bundesländer zum Teil auseinanderliegen. Gefragt wurde etwa nach Art und Häufigkeit der Nutzung digitaler Medien, nach Ausstattung und Medienkonzepten, nach den Einstellungen der Lehrer zu Chancen und Risiken der neuen Technik und nach den Kompetenzen, die sie ihren Schülern vermitteln.

In die Spitzengruppe hat es neben Hamburg und Bremen nur noch Rheinland-Pfalz geschafft. Hier sind die Lehrer nicht nur besonders aufgeschlossen und aktiv, was die Arbeit mit digitalen Medien im Unterricht betrifft, in diesen Ländern gibt es oft auch vonseiten der Schule oder des Landes ein Mediennutzungskonzept, das eine Unterstützung der Lehrer vorsieht. Und das ist keinesfalls die Regel. Nur jeder dritte Pädagoge fühlt sich ausreichend unterstützt. Was viele vermissen, sind Fortbildungen, Unterrichtsvorschläge und digitale Arbeitsblätter.

Wer Schülern IT-bezogene Fähigkeiten beibringen will, braucht Klassenzimmer mit schnellem Internet, funktionstüchtigen Computern oder Laptops. Hier gehen die Probleme weiter: Lediglich etwas mehr als die Hälfte der Lehrer äußert sich zufrieden über die technische Ausstattung ihrer Schule. Und so kann zwei Jahre nach der internationalen Studie ICILS, in der Deutschlands Schulen sowohl bei der Nutzung von digitaler Technik als auch bei den Computerkenntnissen ihrer Schüler besonders schlecht abgeschnitten haben, keine Entwarnung gegeben werden.

Immerhin aber werden die Lehrer kreativer: Denn während die einen Schulen weiter über strikte Handyverbote streiten und im digitalen Teufelszeug unkontrollierbare Risiken sehen, werden andernorts die Schüler aufgefordert: "Bring your own device!" So lösen die Schulen das Ausstattungsproblem auf ihre Weise. Bereits 48 Prozent aller Lehrer sagen, dass ihre Schüler eigene Geräte im Unterricht nutzen können. Überhaupt zeigt die Studie, dass die Mutigen unter den Pädagogen mehr und die Bedenkenträger weniger werden. Nur ein Viertel befürchtet noch, die Kontrolle über den Unterricht zu verlieren, wenn sie Computer einsetzen. "Je älter die Lehrer, desto größer die Ängste", sagt Wilfried Bos. Seine Ergebnisse machen aber auch deutlich, dass selbst die jungen Lehrer während ihrer Ausbildung nicht vermittelt bekommen haben, wie sich aus digitaler Technik digitaler Unterricht machen lässt. "Dabei sollte das in jedem Fach selbstverständlich sein." Noch hängt es zu sehr am Engagement einzelner Lehrer, wie groß der IT-Einsatz schließlich ist. Vorgaben, die aus dem Kultusministerium kommen, sind die Ausnahme.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 47 vom 19.11.2015.

Dabei sollte im Idealfall gelten: "Keine Ausstattung ohne pädagogisches Konzept", sagt Wilfried Bos. "Und wenn vom Land nichts kommt, liegt es an jeder Schule, selbst ein Konzept zu entwickeln. Dafür kommt ja niemand ins Gefängnis!" Vielleicht hilft diese Erkenntnis manchem Lehrer schon mal weiter. Und wer mit der Technik nicht klarkommt, kann ja immer noch die Schüler fragen.

Die Telekom-Stiftung unterstützt auch die Schul- und Bildungskonferenz der ZEIT-Verlagsgruppe