Es gibt eine Bewegung weg vom traditionellen Weihnachtsmarkt, also der Fressbuden- ansammlung mit Glühweinbrauerei, wo gierige Menschen so viel Rostbratwurst, Sauerkraut und Süßkram zu sich nehmen, dass in einer Obduktion später nicht mehr ermittelt werden kann, wann der Verdauungsapparat endgültig kapituliert hat. Nach den gebrannten Mandeln? Oder doch schon nach dem Bratapfel im Format eines Basketballs?

Die Abkehr von dieser Weihnachtsvöllerei hat zwei nur auf den ersten Blick konträre Gesichter. Zum einen ist da der Veggie-Weihnachtsmarkt in den Hallen des Hamburger Großmarktes. Dort bringt man sich mittels Dinkel und Weizen in Stimmung. Zum andern gibt es den Santa Pauli Markt, den sich Beate Uhse in einem unchristlichen Moment ausgedacht haben könnte, überall Dildos aus Schokolade und Brüste aus Marzipan. Das Personal hat eine Aversion gegen konventionelle Kleidung, wie der Veganer, wenn überhaupt trägt man Fummel aus Nylon.

Olivia Jones, Fachkraft für die touristische Verwertung der Libido, ist die Patronin dieser Welt. Wer glaubt, Coca-Cola habe sich zu Werbezwecken am Nikolaus vergriffen, muss sich anschauen, was Frau Jones mit Engeln und Rentieren zwecks erotischer Erbauung macht.

Letztlich sind jedoch beide, der besinnliche Bratling und das frivole Schokogemächt, Demontagen der niederen Fleischeslust. Vereint arbeiten Veganer und Pornografen an der Überwindung der Bratwurst-Folklore. "Geile Möhre!", ertönt ihr Ruf von St. Pauli bis Hammerbrook.