1 (1) Fred Vargas: Das barmherzige Fallbeil
Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze; Limes, 512 S., 19,99 €

Paris, Island. Bei den Leichen vorgeblicher Selbstmörder entdeckt Adamsbergs Brigade die Zeichnung einer Guillotine, Hinweis auf einen Geheimbund von Robespierre- und Revolutionsdarstellern. Doch Adamsberg zieht es zum Polarkreis. "Die Revolution frisst ihre Kinder" in der arktischen Version, made by Fred Vargas.

2 (-) Richard Price: Die Unantastbaren
Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow; S. Fischer, 432 S., 24,99 €

New York. Detective Billy Graves, Nachtschicht Manhattan, navigiert zwischen konkurrierenden Fixpunkten: Liebe, Rache, Solidarität, Schuld, the law. Gejagt von einem Stalker, selbst voller Zweifel an und voller Liebe zu seinen Ex-Kollegen. Fünf Cops und ihre Dämonen: Sittenbild in Nahaufnahme. Stark.

3 (7) Oliver Bottini: Im weißen Kreis
DuMont, 304 S., 14,99 €

Freiburg, Stuttgart 2006. Kommissarin Louise Bonì, trocken seit drei Jahren, stößt auf ein Waffengeschäft, landet im nationalsozialistisch kluxenden Untergrundsumpf und kämpft aussichtslos an zwei Fronten: gegen den deutschen Verfassungsschutz und um das Leben eines traurigen Mannes aus Ruanda.

4 (3) Antonio Ortuño: Die Verbrannten
Aus dem Spanischen von Nora Haller; Kunstmann, 256 S., 19,95 €

"Santa Rita" im Süden Mexikos. Vierzig Migranten aus Zentralamerika wurden vergewaltigt, verbrannt, erschossen. In einer Flüchtlingsunterkunft. Negra von der Migrationsbehörde soll betreuen, versorgen, rückführen. Zum Kotzen realistisch: Rassismus + Verleugnung = Korruption, mental, moralisch, materiell. Nicht nur dort.

5 (-) Fuminori Nakamura: Der Dieb
Aus dem Japanischen v. Thomas Eggenberg; Diogenes, 224 S., 22,– €

Tokio. Ein Taschendieb, westliche Leser erinnernd an Melvilles Samurai, Kafkas schuldlos Schuldige und Dostojewskis Leidende, fingert sich durchs einsame Sein. Bis er zwischen die Zuneigung zu einem Halbwüchsigen und die üblen Pläne eines sadistischen Supergangsters gerät. Bedeutungsträchtige Kälte.

6 (6) Seamus Smyth: Spielarten der Rache
Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller; Pulp Master, 266 S., 14,80 €

Irland. Dock und Picasso sind verstoßene Kinder. Gequält, zugerichtet in kirchlichen Arbeitsschulen. Hallo, jetzt sind sie erwachsen und auf Rachetrip. Dock bastelt an der Auslöschung seiner Aussetzungsfamilie, Picasso schnitzt lebende Blumenmädchen. Angemessen böse Rückantwort auf systemischen Missbrauch.

7 (-) Adrian McKinty: Gun Street Girl
Aus dem Englischen von Peter Torberg; Suhrkamp, 376 S., 14,99 €

Belfast 1985. Die Eltern, der Sohn, die Freundin – alle umgebracht, professionell, als Selbstmord getarnt. DI Sean Duffy stochert im vierten Band der Serie erneut in den Geheimdienstsümpfen, die sich zwischen Belfast, London und den USA erstrecken. Bester historischer Stoff, das heißt bedenkenswert aktuell.

8 (-) Jeong Yu-jeong: Sieben Jahre Nacht
Aus dem Koreanischen von Kyong-Hae Flügel; Unionsverlag, 524 S., 19,95€

Auf dem Land in Südkorea. Seit sieben Jahren wird Sowon aus Schulen und von Arbeitsplätzen vertrieben. Er ist der Sohn des "Stausee-Monsters", das eine Staumauer öffnete und Hunderte Menschen umbrachte. Wie es so weit kommen konnte, erzählt Jeong meisterhaft und voller Einsicht in seelische Verwirrungen.

9 (-) Deon Meyer: Icarus
Aus dem Afrikaans von Stefanie Schäfer; rütten&loening, 430 S., 19,99 €

Kapstadt. Bennie Griessel war trocken, bis sich sein Kollege erschoss. Jetzt sind die Geister aus der Flasche. In mehrfacher Hinsicht: Griessels Mordermittlungen spielen in Südafrikas Weinwirtschaft. Und unter Überfliegern, kurz nach dem raschen Sturz.

10 (8) Dennis Lehane: Am Ende der Welt
Aus dem Englischen von Steffen Jacobs; Diogenes, 400 S., 24,– €

Tampa, Florida, 1943. Ex-Gangster, Unternehmer, Consigliere: Joe Coughlin ist ganz oben. Bis ihm eine Auftragskillerin steckt, er stehe auf der Abschussliste. Joe kämpft um Sohn Tomas, um die Frau des Bürgermeisters, um Anstand, um sein Leben. Melancholische Mafia-Historie vom Feinsten.