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Das Dosenpfand wird für immer mit dem Namen Jürgen Trittins verbunden sein, der es 2003 als Umweltminister erkämpft hat. Das Pfand auf Einwegbehälter sollte nicht nur deren Entsorgung verbessern, sondern auch dazu beitragen, Mehrwegsysteme zu fördern. Wenn der Verbraucher auch die Einwegflaschen zurück in den Laden tragen muss, so die Überlegung, dann wird er eher zum umweltfreundlicheren Mehrweg greifen. Dieses Ziel wurde gründlich verfehlt: Außer beim Bier hat sich der Einweganteil bei allen Getränkesorten erheblich erhöht. Ja, man darf bezweifeln, dass viele Verbraucher überhaupt den Unterschied zwischen den beiden Pfand-Arten verstehen.

Die Getränkeindustrie dagegen hat sich mit Trittins Idee recht gut angefreundet. Denn der Verbraucher gibt ihr ja mit dem Pfand eine Art zinslosen Kredit, den sie erst zurückzahlen muss, wenn er die leere Flasche zurückbringt – falls er das überhaupt tut. Wirft er sie aus Bequemlichkeit in den Müll, bleibt das Geld als Gewinn im System. Pfandschlupf lautet der Fachausdruck dafür. In den ersten Jahren betrug die Pfandschlupf-Quote bis zu 20 Prozent, weil die Händler nur Flaschen annehmen mussten, die sie selbst im Sortiment hatten. Seit 2006 muss jeder Händler alle "Einweggebinde" zurücknehmen (es gibt Ausnahmen für kleine Händler). Seitdem ist der Pfandschlupf erheblich zurückgegangen. Dazu tragen auch die Flaschensammler bei, die Mülleimer nach leeren Einwegflaschen durchsuchen. Die Unternehmensberatung Roland Berger schätzte vor ein paar Jahren die Rücklaufquote auf 95 Prozent. Demnach blieben aber immer noch Flaschen im Wert von 175 Millionen Euro nicht eingetauscht. – Wem kommt dieses Geld zugute? Das System funktioniert folgendermaßen: Der Abfüllbetrieb erhebt von seinen Kunden, also den Großhändlern und Händlern, ein Pfand von 25 Cent pro Gebinde. Das wird nun von Stufe zu Stufe durchgereicht, bis schließlich der Kunde 25 Cent zahlt. Am Ende hat der Kunde 25 Cent weniger und der Abfüller 25 Cent mehr – für alle Zwischenhändler ist die Sache kostenneutral.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 49 vom 03.12.2015.

Bringt der Kunde die Flasche zurück, dann bekommt er sein Pfand zurück. Die Flasche wandert nicht zurück zum Abfüller, sondern wird direkt beim Händler zur Verwertung abgeholt. Jede Flasche wird registriert, der Händler bekommt seine 25 Cent von einer Clearingstelle ausgezahlt, die sich das Geld vom Abfüller zurückholt. Wird die Flasche nicht zurückgebracht, dann bleibt also dem Abfüller das Plus, das er nach dem Verkauf hatte. Der Gewinn wird also nicht übers ganze System verteilt, sondern kommt allein den Herstellern zugute. Eine Praxis, die das Umweltbundesamt in einer Broschüre "geschäftsdarwinistisch" genannt hat.

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