Möhren ziehen? Kartoffeln anbauen? Erde unter den Fingernägeln? Das wäre nichts für Britta Freis. Die 46-Jährige ist ein Kind des Ruhrgebiets, in Essen aufgewachsen, heute Leiterin der Stiftung Bochumer Symphoniker. Sie schiebt lieber Überstunden im Büro als eine Schubkarre über einen Acker.

Trotzdem hat Britta Freis Ackerland gekauft: 1.000 Quadratmeter kalte, braune Erde. Sie hat sich mit 1.000 Euro an der BioBoden Genossenschaft beteiligt. Die Genossenschaft kauft mit dem Geld von Freis und 400 Gleichgesinnten Äcker und Wiesen in Deutschland, um sie zu erschwinglichen Preisen an Biobauern zu verpachten. Das Ziel: den Ökolandbau in Deutschland zu fördern. Und den Boden vor Spekulanten in Sicherheit zu bringen.

Denn Grund und Boden locken Kleinanleger und professionelle Investoren seit Jahren mit attraktiven Renditen. Wer zum Beispiel Anfang der neunziger Jahre Farmland in den USA kaufte, konnte seinen Einsatz im Schnitt mehr als verdreifachen. Viel spricht für weiter steigende Ackerpreise: Die Zahl der Menschen auf der Erde wächst und mit ihr der Bedarf an Weide- und Ackerland.

Trotzdem war das Interesse an Ackerland lange Zeit gering, andere Investments versprachen höhere Gewinne. Die Lage änderte sich schlagartig mit der Finanzkrise. Superreiche wie der Spekulant George Soros kauften nun in großem Stil Ackerflächen. Auch Kleinanleger können mit Investitionen in Aktien, Anleihen, Zertifikate, Investmentfonds und geschlossene Fonds auf steigende Bodenpreise wetten.

Allerdings ist Vorsicht geboten: Stürme können Anlegern die Rendite verhageln. Mancher Landkauf stellt sich gar als Schwindel heraus. Im Ausland haben selbst große Investoren schon Land von Leuten gekauft, denen es gar nicht gehörte – die Folge waren langwierige Rechtsstreitigkeiten.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 51 vom 17.12.2015.

Kritiker brandmarken den Verkauf von Ackerflächen vor allem in Afrika und Lateinamerika als Landraub. Dort verkaufen Regierungen in großem Stil Flächen, ob in Äthiopien, Paraguay oder auf Madagaskar. Wer mit gutem Gewissen Land erwerben will, muss genau hinschauen, was er konkret einkauft. Sonst beteiligt er sich unter Umständen an Landflächen, von denen Menschen vertrieben werden, die dort oft schon über Generationen Ackerbau betrieben haben.

In Deutschland sind die Pachtpreise für Ackerland seit 2003 um 45 Prozent gestiegen. Mit fatalen Folgen: Biobauern können sich die Pacht für Ackerland häufig nicht mehr leisten. Stattdessen bauen Investoren dort im industriellen Maßstab Energiepflanzen an.

Britta Freis will mit ihrer Investition in die BioBoden Genossenschaft nicht in erster Linie Geld verdienen, sondern Ökobauern helfen. Tatsächlich kann sie nur mit einer Rendite von ein bis zwei Prozent jährlich rechnen. Häufig müsse sich anhören, dass sie wohl zu viel Geld hätte, erzählt Freis. "Das Leben", entgegnet sie dann, "besteht doch nicht aus Gewinnmaximierung."

Experiment - Wie viel Acker braucht ein Mensch?