Ein Brautpaar bei der Fotosession in Tam Dao, nördlich von Hanoi © Kham/Reuters

Was ist das verführerischste Accessoire fürs erste Date – Parfüm, Schmuck, Lippenstift? Wohl eher: das Sparbuch. Vielleicht auch der Riester-Vertrag oder die pünktlich und ordentlich ausgefüllte Steuererklärung. Etwas jedenfalls, das zeigt: Ich sorge vor, ich kann mit Geld umgehen. Denn diese Eigenschaften kommen gut an: Die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen in Deutschland findet Menschen attraktiv, die sparen, so eine repräsentative Forsa-Umfrage. Laut einer anderen Erhebung sagt gut jeder dritte Mann und knapp jede dritte Frau über den potenziellen Traumpartner, dass er oder sie "vernünftig mit Geld umgehen" und "größere Investitionen genau planen" sollte.

Nur auf den ersten Blick erscheinen Geld und Liebe wie ein ungleiches Paar, wie zwei Dinge, die eigentlich nicht so richtig zueinanderpassen. Beim Geld, so die gängige Vorstellung, geht es um Fakten, um kühles Kalkulieren und Berechnung. Bei der Liebe aber geht es um Gefühle, Bauchkribbeln, romantische Abende vor dem Kamin. So weit die Klischees. Dabei ist eine Partnerschaft immer auch eine Wirtschaftsgemeinschaft. Paare laden sich gegenseitig zum Essen ein, später mieten sie zusammen Wohnungen oder bauen ein Haus, leisten sich teure Urlaube oder sparen für die Kinder. Manche führen Haushaltsbücher, andere haben gemeinsame Konten – und gar nicht so selten gibt es Streit um das liebe Geld.

Auch vor dem Gesetz gelten Paare in vielen Bereichen als Wirtschaftseinheit. Im Steuerrecht beispielsweise haben Ehepaare Vorteile. Bei Paaren, die nicht verheiratet sind, ist der Status häufig komplizierter. Oft haben Gerichte Rechte und Pflichten solcher Partnerschaften geklärt, wobei nicht selten ziemlich sperrige Wörter wie Bedarfs- oder Einstehensgemeinschaft herausgekommen sind. Letztlich will man damit beschreiben, dass auch Paare ohne Trauschein Geld füreinander und miteinander ausgeben, anlegen und sparen. Geld und Liebe gehören also sehr wohl zusammen. Und finanzielle Angelegenheiten gemeinsam zu regeln bedeutet, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Und das ist doch eigentlich sehr romantisch.

1. Lektion: Auf Wolke sieben

Die ersten Monate sind zauberhaft. Lange Gespräche. Aufregung. Verschwitzte Hände, die zueinanderfinden. Und direkt Gelegenheiten, Geld füreinander auszugeben – oder auch nicht. Die erste Entscheidung fällt, wenn der Kellner im Restaurant die Rechnung bringt und fragt: Zusammen oder getrennt? Für manchen hat die Antwort Bedeutung weit über den Abend hinaus. Hält er sich für den Ernährer? Ist sie beleidigt, wenn er wie selbstverständlich das Portemonnaie zückt, obwohl sie selbst genug verdient? Stefan Woinoff, Paartherapeut und Buchautor aus München, hat beobachtet, dass so manche gut verdienende Frau sich wünscht, dass der Mann bei den ersten Verabredungen bezahlt. Es gehe dann weniger um die 50 oder 100 Euro, die der Restaurantbesuch kostet, sondern um die Geste. "Geld kann auch ein Symbol sein, das für ernste Absichten oder Großzügigkeit steht", sagt er.

Auch nach dem ersten Date ist es für viele Paare nicht einfach mit dem Geldausgeben. Das ist unter anderem eine Nebenwirkung eines begrüßenswerten Trends: Immer mehr Frauen verdienen selbst gut. Laut Statistischem Bundesamt hatte im Jahr 2013 bei rund jedem achten Paar in Deutschland die Frau ein höheres Einkommen als ihr Partner. "Das birgt einigen Zündstoff, weil es die gewohnten Rollen infrage stellt", sagt Woinoff.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 51 vom 17.12.2015.

Und wenn sich der Flirt nicht als große Liebe, sondern als große Enttäuschung entpuppt? Könnte man die Kosten für Abendessen und teure Geschenke zurückverlangen? Die Antwort liefert das Bürgerliche Gesetzbuch: Tatsächlich kann eine Schenkung widerrufen werden, wenn sich der Beschenkte des groben Undanks schuldig gemacht hat. Ist das schon der Fall, wenn derjenige keine ernsten Absichten hatte, das aber verheimlicht hat? Eher nicht. Um eine Schenkung widerrufen zu können, muss schon etwas Schwerwiegendes vorgefallen sein, eine körperliche Misshandlung etwa oder ein handfester Betrug.

2. Lektion: Die wilde Ehe

Früher galt die wilde Ehe als nicht schicklich. Ein Mann und eine Frau, die ohne Trauschein in einer Wohnung lebten – das war ein Skandal. Heute ist das anders. Viele Paare leben jahrelang unter einem Dach, ohne zu heiraten. Zusammenwohnen kostet Geld und wirft die nächsten Fragen auf: Wer bezahlt neue Möbel? Zahlen beide gleich viel Miete, oder übernimmt der Besserverdienende einen größeren Part? Was da gerecht ist, muss jedes Paar selbst entscheiden – am besten schon dann, wenn es zusammenzieht.

Wer den Überblick behalten möchte, kann ein Haushaltsbuch führen, in dem jeder seine Ausgaben aufschreibt. Zumindest bei größeren gemeinsamen Anschaffungen ist es sinnvoll, schriftlich festzuhalten, wer wie viel gezahlt hat. Das gilt erst recht, wenn ein Paar gemeinsam eine Immobilie erwirbt. Nur wenn beide Namen ins Grundbuch eingetragen werden, sind beide offiziell Eigentümer. Auch Versicherungspolicen kann ein Paar gemeinsam in Anspruch nehmen, zum Beispiel die private Haftpflichtversicherung. Sie schließt in der Regel alle Personen eines Haushalts ein, unabhängig davon, ob sie verheiratet sind oder nicht. Dasselbe gilt für Rechtsschutzversicherungen.