Um den Klimawandel zu stoppen, braucht man vor allem: Geld. Sehr viel Geld sogar, um beispielsweise erneuerbare Energien auszubauen, saubere Mobilität zu fördern oder Gebäude zu sanieren. Es ist eine weltweite Mammutaufgabe, an der sich zunehmend auch Kleinanleger beteiligen, und zwar über Anleihen, sogenannte Green Bonds.

Die Europäische Investitionsbank und die Weltbank waren 2007 die Ersten, die Green Bonds ausgegeben haben, um Projekte vor allem im Klima- und im Umweltschutz zu finanzieren. Seitdem wächst der Markt rasant: Im Jahr 2014 wurden laut der Climate Bonds Initiative umgerechnet 34 Milliarden Euro in grüne Anleihen investiert – dreimal mehr als im Jahr zuvor. Allein die deutsche Förderbank KfW sammelte 1,5 Milliarden Euro ein. Das Geld fließt zum Beispiel in Windparks, Photovoltaik- und Biomasse-Anlagen.

Der Erfolg hat auch private Finanziers angelockt. Mittlerweile geben viele Banken, einige Unternehmen und sogar ein paar Städte Green Bonds aus, um sich Geld bei Anlegern zu leihen. Die Stadt Paris investiert es dann zum Beispiel in neue Ladestationen für Elektroautos, Fahrradwege und energiesparende Straßenbeleuchtung. Toyota finanziert über Anleihen Konsumentenkredite für den Kauf von umweltschonenden Hybridautos.

Allerdings: Der Begriff "Green Bond" ist nicht geschützt. Je mehr Anleihen unter dem Label ausgegeben werden, desto größer die Befürchtung, dass sich Firmen damit nur schmücken wollen. "Der Markt für Green Bonds ist noch jung, die Standards entwickeln sich gerade erst", sagt Hendrik Janssen, der das Thema Nachhaltigkeit bei der Börse Hamburg und der Börse Hannover betreut.

Deshalb haben 13 Kreditinstitute, darunter die Deutsche Bank, die Commerzbank und die französische Crédite Agricole, im vergangenen Jahr die Green-Bond-Leitlinien aufgestellt. Sie sind eine Art Selbstverpflichtung, um die Branche zu disziplinieren. Es geht darin um Transparenz- und Offenlegungspflichten, aber auch darum, welche Bereiche der Begriff Green Bond abdecken soll. Neben erneuerbaren Energien und sauberen Mobilitätsprojekten zählen demnach auch Investitionen in Biodiversität oder in nachhaltiges Abfallmanagement dazu.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 51 vom 17.12.2015.

Die Leitlinien enthalten auch die Empfehlung, ein unabhängiges Institut die Nachhaltigkeit des jeweiligen Projekts einschätzen zu lassen. Allerdings gibt es auch bei den Öko-Ratings noch keine Standards, weshalb sie nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Für etwa die Hälfte der Green Bonds wurde bisher ein solches unabhängiges Gutachten erstellt. Es gibt also noch Luft nach oben.