Die offizielle Version dieser Geschichte lautet so: Ein Spitzenbeamter soll einen hochdotierten Job bei der Staatsbank KfW in Frankfurt bekommen – aber weil er wegen der Familie einen Tag pro Woche in Berlin arbeiten will, platzt die Vereinbarung. Geschieht ihm recht!, jubeln die einen. Skandal!, wettern die anderen. Womöglich aber geht es in dieser Geschichte gar nicht um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – sondern eher um Macht, Intrigen und Neid.

Jörg Asmussen

Jörg Asmussen hat schnell Karriere gemacht, er war Staatssekretär im Finanzministerium und Direktor der Europäischen Zentralbank, bevor er 2013 im Arbeitsministerium von Andrea Nahles anfing. Mit jedem Wechsel wuchs auch die Zahl seiner Gegner. Zu selbstbewusst trat Asmussen auf. Man wartete nur auf seinen ersten großen Fehler.

Sigmar Gabriel

Asmussens Wechsel zur KfW war seine Idee. Der SPD-Chef wollte seine Generalsekretärin austauschen und brauchte Asmussens Stelle im Arbeitsministerium, um Yasmin Fahimi zu versorgen. Als Wirtschaftsminister ist Gabriel auch Vize-Verwaltungsratschef der KfW. Asmussens Wunsch, von Berlin aus zu arbeiten, soll mit ihm abgesprochen gewesen sein.

Wolfgang Schäuble

Sein Verhältnis zu Asmussen gilt als zerrüttet – spätestens seit dieser Schäubles Sparpolitik offen kritisierte. Schäuble ist Verwaltungsratschef der KfW, gegen seinen Willen geschieht dort nichts. Das Finanzministerium soll eingewilligt haben, dass Asmussen von Berlin aus arbeitet. Als dessen Stelle bei Nahles besetzt war, wollte sich niemand mehr daran erinnern.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 52 vom 23.12.2015.

Ulrich Schröder

Für den machtbewussten Staatsbanker wäre der Wechsel Asmussens ein herber Schlag gewesen – galt dieser doch als sein potenzieller Nachfolger. Die ganze Aktion wegen des Arbeitsorts platzen zu lassen geschah zum letztmöglichen Zeitpunkt. Dass es wirklich um den Arbeitstag in Berlin ging, glauben die wenigsten. Schröder hat dort ja selbst eine Wohnung.