Auch wenn die Weihnachtsgottesdienste dieses Jahr wieder voll sein werden – die Star Wars-Saga macht Deutschland ein Sinnangebot mit unübersehbarem Reiz. Nicht nur Kinder und Jugendliche sammeln Star Wars- Bildchen; auch viele Erwachsene, die schon seit Jahren keine der inzwischen sieben Episoden mehr verfolgt haben, kennen den unschuldigen Helden Luke, seine keusche Gefährtin Prinzessin Lea und den alten Jedi-Meister Yoda. Damit ist der Star Wars-Kult – ähnlich dem Christentum – eine Art Überschwapp-Religion, der man sich kaum entziehen kann, selbst wenn man ihr nicht anhängt. Und in Star Wars steckt womöglich mehr Theologie und Spiritualität als in manchen Weihnachtspredigten.

Bieten also Kinosäle dieses Jahr mehr Obhut als Kapellen und Kathedralen wider den kalten Windzug der "transzendentalen Obdachlosigkeit" von heute, wie der Publizist Ulf Poschardt in einem Aufsatz mit dem Titel Kino und Kirche fragt?

In einer Art asymmetrischem Lichterkampf sind zum Jahresende 2015 zwei ungleiche Gegner gegeneinander angetreten: das Kind in der Krippe gegen den Kinohelden am Himmel – hie Strahlenkranz, da Lichtschwert. Und die Frage muss erlaubt sein: Ist Star Wars am Ende die bessere Weihnachtsgeschichte als die vom Stern zu Bethlehem?

Die dramatischere, weil überraschendere Storyline hält am Ende wahrscheinlich immer noch das Christentum parat, denn ihr Held obsiegt am Ende – was für ein Plot-Point –, obwohl er auf alle Laserschwerter verzichtet. Doch zweierlei verbindet die Anhänger des Heilands unter dem Stern mit den Fans des Sternenkriegers Luke Skywalker:

Beide glauben an "die Macht", wie es in dem Film-Märchen heißt, dessen neueste Episode vergangene Woche startete – und beide glauben an die Befähigung des Menschen, sich zwischen Gut und Böse frei entscheiden zu können.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 52 vom 23.12.2015.

Doch während der Teufel den meisten evangelischen und katholischen Pfarrern nicht länger als satisfaktionsfähige Größe gilt, beherrscht Darth Vader als cineastischer Diabolus sein Universum in fideler Selbstverständlichkeit. Der Clou: Der schwarze Ritter mit dem Keuchhusten-Atem ist in Wahrheit Luke Skywalkers Vater, der sich einst gegen die Macht des Guten auf die Seite des Bösen geschlagen hat.

Wer als Zuhörer einer Weihnachtspredigt solcherlei manichäische Kontrastfiguren serviert bekäme, würde den Pfarrer womöglich für einen Exorzisten halten.