Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Zunächst muss ich hoch und heilig versichern: Der Fragesteller ist echt. Glauben Sie mir, so einen Namen würden wir uns bei diesem ernsten Thema nicht ausdenken. Herr Dümpelmann berichtet in seiner E-Mail von einem gestandenen 50-Jährigen aus seinem Bekanntenkreis, der bis heute nicht angstfrei in der Badewanne liegen könne. Seine Mutter habe ihn immer vor dieser Gefahr gewarnt.

Eltern sollten sich tatsächlich um ihre Kinder sorgen und sie in der Badewanne nicht unbeaufsichtigt lassen. Denn bei Kindern bis zum Alter von zwei Jahren ist das Ertrinken in der Badewanne der häufigste tödliche Unfall, sagt die European Child Safety Alliance (ECSA). Schon eine Wassertiefe von fünf Zentimetern kann ausreichen. Wenn Kleinkinder mit ihrem schweren Kopf vornüber ins Wasser fallen, dann können sie sich oft aus eigener Kraft nicht mehr aufrichten. Sie hören reflexhaft auf zu atmen – der Tod kommt dann ganz still.

Aber ist die Sorge noch berechtigt, wenn das Kind erwachsen ist? "Die Untersuchung eines Toten aus der Badewanne ist eine der schwierigsten rechtsmedizinischen Aufgaben überhaupt", heißt es in dem Artikel Tod in der Badewanne, der 1999 in der Fachzeitschrift Notfall + Rettungsmedizin erschien. Am einfachsten ist noch die Diagnose, wenn in der Wanne ein Föhn oder ein anderes Elektrogerät gefunden wird. Aber in 15 der 48 Fälle, die von den Autoren untersucht wurden, war als Todesursache tatsächlich "Ertrinken" festgehalten worden.

So war es auch, als die Sängerin Whitney Houston 2012 leblos in einer Hotelbadewanne aufgefunden wurde. Allerdings war die Popdiva eine chronische Kokserin, nahm Beruhigungsmittel und hatte kurz vor ihrem Tod auch noch Marihuana geraucht. Zudem litt sie unter einer Herzkrankheit. Ohne diese Faktoren, sagte der untersuchende Gerichtsmediziner, "wäre sie wahrscheinlich nicht in der Badewanne ertrunken". Auch die Autoren des wissenschaftlichen Aufsatzes schreiben, dass die untersuchten Ertrinkungstode stets durch verschiedene Ursachen begünstigt worden seien: "Hilflosigkeit bei Kleinkindern oder infolge körperlicher Behinderung, Beeinträchtigung durch Alkohol und/oder Medikamente, Herz-Kreislauf-Störungen".

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 01 vom 30.12.2015.

Ein gesunder, nüchterner Erwachsener kann sich also beruhigt in die Wanne legen. Selbst wenn er einnickt, wird er sofort wach werden, falls er Wasser einatmet. Dann kann er sich retten – es sei denn, es ist ein Bösewicht am Werk: Manche Experten schätzen, dass sich hinter einem Fünftel der Todesfälle in der Wanne ein Mord verbirgt. Wie leicht das geht, demonstrierte schon im Jahr 1915 der britische Gerichtsmediziner Bernard Spilsbury* in einem aufsehenerregenden Prozess: Er ließ eine trainierte Schwimmerin in eine Badewanne steigen, dann zog er am Fußende ruckartig ihre Füße in die Höhe, sodass ihr Kopf unter Wasser geriet. Die Sportlerin wäre fast gestorben.

*Korrekturhinweis: Hier stand zunächst ein falscher Vorname. Dies wurde korrigiert.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de.

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