Das Lebensmittelrecht erlaubt eigentlich keine Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Trotzdem sieht man sie immer wieder. Etwa bei Tee. Leser Michael S. bemerkte, dass die Firma Meßmer etliche Packungen Beuteltee mit dem Hinweis "vegan, glutenfrei, laktosefrei" bedruckt. Auch die mit Darjeeling, dessen einzige Zutat, nun ja, schwarzer Tee ist.

Das allein ist witzig genug. Noch lustiger ist aber, sich vorzustellen, mit welchen Argumenten sich Meßmer wohl in einem Gerichtsverfahren gegen den Vorwurf verteidigen würde, es handele sich dabei um eine unerlaubte Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Schließlich ist schwarzer Tee immer vegan und laktosefrei (solange man ihn nicht mit Milch trinkt).

Als Rechtsanwalt von Meßmer würde ich zunächst bestreiten, dass es sich überhaupt um Werbung handele. Der Hinweis befindet sich nämlich auf der Unterseite der Packung, ist im Supermarktregal also auf den ersten Blick gar nicht erkennbar und somit ungeeignet, Kunden überhaupt zum Zugreifen zu bewegen. Das ist aber nur ein schwaches Argument, zugegeben.

Stärker wäre der Einwand, dass die Hinweise "laktosefrei" und "vegan" keineswegs selbstverständlich seien. Jedenfalls nicht bei Darjeeling-Tee: Denn dieser kommt aus einer bestimmten Region in Indien. In Indien gibt es Kühe. Kühe sind Tiere, die Milch geben. Tiere sind nicht vegan, und Milch enthält Laktose. Außerdem sind Kühe in Indien heilig, dürfen also alles, sich folglich auch auf Teeplantagen herumtreiben, weswegen nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie dabei Teesträucher mit tierischen Bestandteilen und/oder Milch kontaminieren. Teekühe davon abzuhalten ist also ein außergewöhnlicher Mehraufwand und alles andere als selbstverständlich.

So würde ich als Anwalt von Meßmer argumentieren. Und wenn mir jemand diesen Quatsch glaubt, vergisst er vielleicht, die wirklich entscheidende Frage zu stellen: für wie blöd ich eigentlich meine Kunden halte.