Es geht um die wichtigste wissenschaftspolitische Entscheidung des Jahres – die Zukunft der Exzellenzinitiative. Doch seit Monaten lavieren die Beteiligten aus Politik und Wissenschaft und verweisen auf Ende Januar. Dann kommt der "Imboden-Bericht", die Begutachtung der zurückliegenden Runden der Exzellenzinitiative. Bevor der Bericht erscheint, will sich niemand aus der Deckung wagen – obwohl längst jeder eine Meinung hat, wie es mit der Initiative weitergehen soll. Während die Kommission unter dem Vorsitz des Schweizer Wissenschaftlers Dieter Imboden im Verborgenen vor sich hin evaluiert, laufen die Verhandlungen bereits. Zwischen Bund und Ländern, zwischen SPD und Union, zwischen Hochschulvertretern und Forschungseinrichtungen. Von Ende Januar an wird dann auch in aller Öffentlichkeit um die Verteilung der Gelder, um die Ausgestaltung der Zukunft gestritten werden. Wie geht es weiter mit Deutschlands Spitzenforschung?

Zeit, eine Prognose zu wagen.

Der Erfolg: spürbar, aber nicht spektakulär

Wie die nächste Exzellenzinitiative aussehen wird, hängt davon ab, wie man die vergangenen Runden bewertet. Das Fazit, und so wird es auch die Imboden-Kommission sehen, fällt positiv aus. Mit 4,6 Milliarden Euro – nur drei zusätzlichen Prozent zu der Summe, die den Hochschulen für Forschung und Entwicklung zur Verfügung steht – lässt sich überraschend viel ausrichten. Drei Ziele verbanden Bund und Länder mit dem Wettbewerb: die Spitzenforschung besser, die deutsche Wissenschaft international sichtbarer und die Strukturen der Universitäten innovationsfähiger zu machen. Man kann sagen: Alle Ziele wurden erreicht, jedoch unterschiedlich gut.

Ob bei der Zahl der Frauen oder Ausländer unter den Professoren, den vielfach zitierten Publikationen oder den miteinander kooperierenden Universitäten: Sämtliche Kennziffern strategischer Hochschulziele sind in den vergangenen Jahren nach oben gegangen. In der Regel hat die Exzellenzinitiative Entwicklungen, die schon vorher begonnen hatten, noch einmal kräftig verstärkt. Stefan Hornbostel, der am Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) den Output und die Qualität der deutschen Forschung vor und nach Beginn des Wettbewerbs verglichen hat, sagt: "Der Qualitätsschub durch die Exzellenzinitiative ist spürbar, wenn auch nicht spektakulär."

Dem internationalen Ruf der deutschen Forschung hat der Wettbewerb sehr gutgetan. Maßgeblichen Anteil daran hatten die mehr als tausend ausländischen Wissenschaftler, die die Bewerbungen der Universitäten um die Forschungscluster begutachteten. "Das waren alles hochkarätige Kollegen, die gesehen haben, wie gut wir in vielen Disziplinen tatsächlich sind", sagt Bernd Huber, Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität in München, einer der Universitäten, die sich mit dem Elite-Titel schmücken durften. Natürlich hat Deutschland noch immer kein Harvard oder Cambridge. Daran konnte auch die Exzellenzinitiative nichts ändern. Dennoch lässt sich auch an internationalen Ranglisten der Aufschwung im weltweiten Vergleich ablesen: Viele Unis mit Exzellenztitel sind aufgestiegen.

Etwas ganz Neues: Ein Wir-Gefühl

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 2 vom 7.1.2016.

Professoren sind traditionell Einzelkämpfer. Ein scharfsinniger Beobachter brachte diese Haltung einmal auf die Formel, das Einzige, was eine deutsche Universität verbinde, sei die Zentralheizung. Davon kann heute keine Rede mehr sein – auch dank der Exzellenzinitiative. "Zum ersten Mal mussten Wissenschaftler aus der ganzen Universität für ein gemeinsames Ziel zusammenarbeiten", sagt Sabine Behrenbeck vom Wissenschaftsrat, der die Exzellenz-Unis während ihrer Förderung beobachtet. Ohne den Willen zur Kooperation gab es im Wettbewerb nichts zu holen. Dieser Teamgeist hat Spuren hinterlassen. Heute forschen Wissenschaftler häufiger über Fakultätsgrenzen hinweg. "Die Universität funktioniert besser als Ganzes", sagt Sabine Behrenbeck.

Auch die Säulen des Wissenschaftssystems – Universitäten, Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen – haben sich dank der Exzellenzinitiative einander angenähert. Mittlerweile entsteht rund die Hälfte der Publikationen der Helmholtz-Gemeinschaft mit ihren großen Forschungszentren in Kooperation mit den Universitäten, bei der Max-Planck-Gesellschaft sind es mehr als ein Drittel. Neue Professoren werden heute häufiger gemeinsam berufen. Die bestehenden Grenzen sind poröser geworden.

Der grobe Rahmen steht fest

Was bedeutet das nun für die nächste Runde, die 2018 beginnt? Ein reines "Weiter wie bisher" wird es nicht geben. Allein schon, weil die Graduiertenkollegs wegfallen werden. Zwar gelten sie nun auch in Deutschland als Königsweg der Doktorandenausbildung. Zusätzliche Schulen zu eröffnen ist aber keine gute Idee. Schon heute ist ungewiss, was aus den Tausenden Doktoranden werden soll, die unter der Fahne der Forschungsexzellenz in die Universitäten eingezogen sind, dort aber mangels Stellen niemals eine Zukunft haben werden. Die bestehenden 45 Graduiertenschulen werden nach einer Begutachtung aller Voraussicht nach von der DFG weiterfinanziert.

Das Herzstück der Exzellenzinitiative werden Forschungscluster bleiben, auch darin sind sich alle Experten einig. In ihnen versammeln sich Wissenschaftler aus verschiedenen Institutionen, um ein großes Thema zu bearbeiten ("Kraftstoffe aus Biomasse" etwa oder "Asien und Europa").