Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Es gibt nicht nur Rechts- und Linkshänder. Die Menschheit spaltet sich auch in Rechts- und Linksbeiner (mit welchem Bein springen Sie ab?), in Rechts- und Linksäuger (wie schauen Sie durch ein Schlüsselloch?) und auch in Links- und Rechtsohrer. Das heißt: Selbst wenn beide Ohren gleich gut funktionieren, bevorzugen doch die meisten Menschen ein bestimmtes, etwa wenn sie an einer Tür lauschen.

Allerdings ist die "Ohrigkeit" ein sträflich vernachlässigter Forschungsgegenstand. Im Jahr 1998 ging ein Artikel in den Folia Phoniatrica et Logopaedica dieser Frage akribisch auf den Grund. Matthias Reiss von der Universität Dresden untersuchte an 300 Probanden, welches Ohr sie in 13 unterschiedlichen Situationen bevorzugten, etwa wenn sie an der Tür horchen oder den Kopf nach einem von hinten kommenden Geräusch drehen. Und eben auch: An welches Ohr wird das Telefon gehalten? Insgesamt erwiesen sich 62 Prozent als rechtsohrig und 21 Prozent als linksohrig. Generell hatte die Ohrigkeit mit der Händigkeit nicht viel zu tun, speziell beim Telefonieren noch am meisten. Das passt zu anderen Untersuchungen, nach denen drei Viertel der Rechtshänder den Hörer an ihr rechtes Ohr halten.

Allerdings steht in dem Artikel auch, dass dieser Zusammenhang weniger mit der "Präferenzohrigkeit" zu tun hat. Wir greifen einfach mit unserer Lieblingshand zum Telefon. Und daran gewöhnen wir uns im Lauf unseres Lebens so sehr, dass wir selbst dann, wenn wir etwas aufschreiben müssen, den Hörer umständlich mit der anderen Hand über Kreuz an dieses Ohr halten.

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Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 2 vom 7.1.2016.

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