Ein heikler Fall, dieses Elfenbeintürmchen. Man brauchte nur hinzusehen, da wäre es beinahe schon auseinandergefallen, das 52 Zentimeter hohe Objekt aus dem Jahr 1813 – mit etlichen, auf mehreren Etagen arrangierten Vasen, Girlanden, Blüten, jede davon fragil, kippbereit und völlig ungeeignet, um von Nürnberg zu einer Londoner Auktion zu reisen. Aber da sollte es hin, auf schnellstem Weg. "Wir wurden gefragt: Bekommen Sie das hin?"

Wer Klaus Hillmann so etwas fragt, muss damit rechnen, sein technisches wie pragmatisches Know-how kennenzulernen. "Da haben wir ein Holzgehäuse drum herum gebaut, das Türmchen Kranz für Kranz von den Seiten her gestützt." Und tatsächlich – in London angekommen, war das Objekt unversehrt und so komplett wie präsentabel.

Von Karl Valentin stammt die Behauptung: "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit." Wenn es jemanden gibt, der diese Aussage bestätigen kann, und das seit drei Jahrzehnten, dann ist es Klaus Hillmann. In der überschaubaren Branche jener Unternehmen, die Kunst quer durch Deutschland, quer durch Europa und auch mal nach Amerika oder China transportieren, ist seine Firma Tandem bekannt, und große Konkurrenten wie Hasenkamp oder Brandl respektieren ihn. In den siebziger Jahren lautete ein lockerer Spruch unter Galeristen bei Transportfragen: "Firma Hasenkamp, wenn es teuer sein darf, und zu Firma R., wenn es kaputtgehen darf." Heute sagt der Hamburger Kunsthändler Thole Rotermund: "Die Tandem-Leute nehmen Bilder und Grafiken anders in die Hand. Ich arbeite am liebsten mit ihnen."

Nervöse Sammler und prekäre Aufträge

Das hat damit zu tun, dass bei Tandem die meisten Fahrer, Disponenten und Restaurateure in Teilzeit arbeiten – nebenbei sind sie freie Künstler, betreiben Tonstudios oder schreiben, so wie Disponent Rolf Wirtz, der einen Florenzführer verfasst hat. Somit haben sie einen besonderen Blick für das Gut entwickelt, mit dem sie umgehen. Sie packen zu, aber mit zarter, kundiger Hand. Darüber hinaus – und das hebt die Stimmung – profitieren sie von Kontakten und Gesprächen, die sich en passant auf den Touren ergeben, mit Sammlern oder Kunsthändlern. Es geht von Grisebach in Berlin zum Sammler X nach München, von Van Ham in Köln zum White Cube in London, regelmäßig auch nach Paris zu Pierre Bergé & Associés und zum Dorotheum nach Wien.

Ein Gewerbegebiet in Frechen bei Köln, an einem Freitagnachmittag im Dezember. Noch ist die riesige Lagerhalle leer, bald kehren die tandem-typischen, aus Sicherheitsgründen ohne Firmenlogo fahrenden 3,5-Tonner zurück – und dann wird abgeladen, was in London, Paris oder München eingesammelt wurde, vom Barockteppich bis zum Beuys. Dann brummt der Laden, und man tauscht sich aus, über den Verkehr, über nervöse Sammler oder prekäre Aufträge. Mittendrin Klaus Hillmann, der Chef. Groß gewachsen, fliehende Stirn, markante Nase. Man kann sich den gerade noch 59-jährigen Unternehmer ruhig vorstellen als eine Art Alt-Sponti aus der Kölner Galeristenszene jener legendären siebziger Jahre.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 2 vom 7.1.2016.

Besonders einzigartig war damals Der Spiegel, die Galerie von Hein und Eva Stünke. Auf dem Weg zum Bahnhof schauten zum Plaudern vorbei Leute wie Hann Trier, der Informel-Künstler, Professor Pontus Hultén, der Ausstellungsmacher, der Galerist Paul Maenz oder der Fotograf Benjamin Katz. Klaus Hillmann hörte zu. Nach seiner Lehre in der Lengfeldschen Buchhandlung war er Spiegel-Assistent und eine Art Mädchen für alles; verpackte, lieferte aus, brachte neue Arbeiten zum Rahmen in die Eifel. "Das war ein unendliches Lernen mit Stünkes, und ich war neugierig wie ein junger Hund."