In seinem Büro hängen das Bundesverdienstkreuz, ein Bild von Vural Öger mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, eins von ihm mit Fidel Castro und prachtvolle arabische Schriftzeichen. Das seien 99 Schreibweisen für Allah, sagt Öger, der Inhalt interessiere ihn aber nicht, es sehe einfach schön aus. Schön aussehen, das war für Öger immer wichtig. Der 73-Jährige war mal Model. Bekannt wurde er als Reiseveranstalter. Seine Firma Öger Tours hat er für viel Geld verkauft, das 2014 gegründete Nachfolge-Unternehmen hat vergangene Woche Insolvenz angemeldet.

DIE ZEIT: Herr Öger, Ihr Unternehmen V.Ö. Travel hat gerade Insolvenz angemeldet. Was ist schiefgelaufen?

Vural Öger: Ich habe den Preis- und Konkurrenzkampf unterschätzt. Ich habe das Geschäft mit Reisen in die Türkei mit Öger Tours selbst aufgebaut. Ich war es gewohnt, in der Pionierrolle zu sein – alle anderen kamen nach mir. Doch inzwischen ist der Markt voll von Angeboten, und alle Veranstalter unterbieten sich mit Niedrigpreisen. Dazu gab es wegen der politischen Lage in der Türkei viel weniger Buchungen. Da konnten wir als junges Unternehmen nicht mithalten.

ZEIT: Öger Tours haben Sie 2010 an Thomas Cook verkauft. Bereuen Sie es, noch einmal in das Geschäft eingestiegen zu sein?

Öger: Ja. Aber nachher ist man immer schlauer. Was hilft das jetzt? Jetzt kann ich nur aus den Erfahrungen lernen. Erfolg und Misserfolg liegen im Unternehmertum immer sehr nah beieinander. Es geht allerdings nur um eine unternehmerische Insolvenz, nicht um mein Privatvermögen.

ZEIT: Sie tragen schicke Manschettenknöpfe.

Öger: Danke! Ich mag diese Goldketten nicht, die man sich an südländischen Männern immer so vorstellt. Ringe auch nicht. Ich mag Manschettenknöpfe. Jedes Mal, wenn ich in London bin, kaufe ich welche in einem Geschäft am Piccadilly Circus. Inzwischen habe ich mehr als 40 Paar.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 2 vom 7.1.2016.

ZEIT: Wissen Sie, wie viel Sie für diese hier ausgegeben haben?

Öger: Sicher, aber darüber möchte ich nicht reden.

ZEIT: 1970 kamen die meisten anderen Türken als Gastarbeiter nach Deutschland. Sie aber studierten in Berlin. Wie haben Sie das finanziert?

Öger: Die Türken, die in deutschen Fabriken gearbeitet haben, stammten überwiegend aus bildungsfernen Schichten. Mein Vater war Offizier, wir gehörten zum Mittelstand. Ich war ein guter Schüler und wollte auf alle Fälle in Europa studieren. Ich habe zwei Stipendien bekommen, eins für die USA, eins für Deutschland. Mein Vater sagte: "Wenn Ausland, dann geh nach Deutschland. Das ist ein Freundesland und technisch hoch entwickelt."

ZEIT: Warum Berlin?

Öger: Ich bin in Großstädten aufgewachsen. Ich mag diese Aufregung dort. Berlin hat mir sofort gefallen. Deutschland war damals noch geteilt, Berlin eine Insel der Freiheit. Da passierte allerhand Verrücktes. Einmal habe ich mit meinem alten VW ein Reh der DDR angefahren und sollte 300 Mark bezahlen. Ich hatte nicht mal 100 Mark in der Tasche. Vor lauter Aufregung fing ich an zu weinen. Letztlich war es in Ordnung, dass ich das Geld später überweise.