Für die Physiker beginnt das Jahr mit einem Donnerschlag. Am Montag twitterte der Kosmologe Lawrence Krauss, ein internationales Forscherteam habe wohl eine Gravitationswelle gemessen. Schon im September hatte er das Gerücht gestreut. Inzwischen, schreibt Krauss, sei es von anderen Quellen bestätigt worden: "Exciting" In der Tat wäre der direkte Nachweis von Gravitationswellen eine Sensation, der Nobelpreis so gut wie sicher. Kurz nach dem 100. Geburtstag der Allgemeinen Relativitätstheorie wäre damit eine von Einsteins verblüffendsten Vorhersagen bestätigt.

Allerdings waren andere Physiker zuletzt vor allem durch fehlerhafte Messungen aufgefallen, die sie auf Pressekonferenzen vorschnell für revolutionär erklärt hatten. Der Abstand zwischen Nobelpreis und Arschkarte ist in manchen Bereichen der Physik extrem gering: Gravitationswellen sind die Gespenster der Physiker und daher seit Jahrzehnten Gegenstand von Streitereien. Mehr als ein Dutzend Mal wollen Forscher sie beobachtet haben. Immer erwies sich die Meldung als voreilig.

Die Wellen werden ausgesandt, wenn im All gewaltige Massen in Bewegung sind. Trifft eine Gravitationswelle auf die Erde, staucht und dehnt sie den Raum und alles, was sich darin befindet: Menschen, Häuser, Kontinente – aber nur um Bruchteile eines Atomkern-Durchmessers, deshalb sind die Signale extrem schwierig zu messen.

Seit 1960 bauen Physiker Detektoren, um die Wellen nachzuweisen. Die Kunst ist es, sie aus dem Grundrauschen herauszufiltern und sicherzustellen, dass die Auffälligkeiten nicht von umhertrampelnden Doktoranden, der Meeresbrandung oder einem Erdbeben stammen. Seit September steht nun ein Observatorium zur Verfügung, das leistungsfähiger ist als alle bisherigen: das frisch aufgerüstete Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory (Ligo). Genau dort soll jetzt die Gravitationswelle gesichtet worden sein. An den beiden Detektoren in den US-Bundesstaaten Louisiana und Washington sind auch Deutschland und Großbritannien beteiligt – unter anderem kommt Laser-Know-how vom Gravitationswellen-Experiment Geo600 in Hannover.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 3 vom 14.1.2016.

Doch weder die europäischen noch die amerikanischen Mitglieder des Forscherteams äußern sich zu den Spekulationen. Die neuesten Daten werden noch ausgewertet, heißt es offiziell. Allerdings wird schon über den Termin einer Pressekonferenz diskutiert.

Laut verschiedenen Quellen ist Folgendes passiert: Die beiden Detektoren haben synchron ein Signal aufgefangen, das mit erwarteten Mustern einer Gravitationswelle übereinstimmt. Verursacht haben könnte es eines dieser drei Ereignisse in unserer Milchstraße: eine Sternexplosion, zwei ineinanderkrachende Schwarze Löcher oder zwei kollidierende Neutronensterne. Die Signale wurden allerdings am Ende eines Testlaufs gemessen, nicht während der ersten regulären Messphase, die am Dienstag endete. Das macht die Forscher doppelt vorsichtig.