Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Es begann mit der Schweinegrippe im Jahr 2009: Plötzlich wurde überall der Ratschlag gegeben, nicht in die Hand zu niesen, sondern in die Armbeuge. Binnen eines Jahres kannten 38 Prozent der Deutschen die Methode.

Geht man heute in einen Kindergarten, dann sieht man die Kleinen reflexhaft den Arm beugen, wenn sie niesen müssen. Und dann laufen sie den Rest des Tages mit Schnodder am Ärmel herum.

Der Ursprung dieses Ratschlags liegt im Dunkeln. Die Autoren einer wissenschaftlichen Studie aus dem Jahr 2013, die verschiedene Nies-Strategien auf ihre Präventionswirkung untersuchte, fanden als älteste Quelle ein Video aus dem Jahr 2006.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 3 vom 14.1.2016.

Erkältungs- und Grippeviren können beim Niesen auf mehreren Wegen übertragen werden: zunächst einmal über die mit hoher Geschwindigkeit durch die Luft sausenden Tröpfchen. Das völlig ungeschützte Niesen sollte also auf jeden Fall tabu sein.

Wer in die eigene Hand niest und die nicht sofort wäscht, der hinterlässt die Erreger auf allen Gegenständen, die er anfasst, und überträgt sie natürlich auch beim Händeschütteln. Auf dem Ärmel dagegen trocknen die Sekrete schneller als auf festen Oberflächen, außerdem kommt die Armbeuge selten mit anderen Menschen in Kontakt. Auf den ersten Blick also kein schlechter Ratschlag.

Solange man in ein Kleidungsstück niest, das man abends in die Wäsche werfen kann, ist die Sache auch praktikabel. Doch bei Wollpullovern, die man nicht so oft waschen darf, können sich die Sekrete einer ganzen Saison in der Armbeuge ansammeln. Vor allem aber haben die Tests für die erwähnte Studie, die in der Zeitschrift BMC Public Health erschien, gezeigt: Keine der beiden Methoden verhindert den Tröpfchenflug perfekt. In einem nichtwissenschaftlichen Versuch des Fernsehsenders ABC flogen die Aerosole beim Niesen in die Armbeuge bis zu zweieinhalb Meter weit. Die einzig wirksame Barriere war das gute alte Papiertaschentuch. 

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