Freundin: (per WhatsApp-Nachricht) Er hat sich gerade von mir getrennt! In der Mittagspause!

Ich: Nein!!!

Freundin: Doch! Und ich hatte mich schon gewundert, wieso er trotz des Scheißwetters unbedingt spazieren gehen wollte. Wahrscheinlich hatte er Angst, dass ich ihm in der Kantine eine Szene mache.

Ich: Was hat er denn genau gesagt?

Freundin: Das ist das Allerbeste! Praktisch nichts. Nur, dass er findet, wir sollten uns nicht mehr sehen, weil das – Achtung – Grundgefühl nicht stimme.

Ich: Das ominöse Grundgefühl! Der Trennungsjoker!

Freundin: Ja, es ist erbärmlich.

Ich: Und was hast du dann gesagt?

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 3 vom 14.1.2016.

Freundin: Na ja, das war so ein bisschen unglücklich ... Wir hatten doch neulich im Job diese Supervision. Und da hatte der Coach uns erklärt: Wenn wir mit einer Entscheidung nicht einverstanden sind und Zeit gewinnen wollen, um uns gute Gegenargumente auszudenken, sollen wir sagen: "Könnten Sie das bitte noch einmal anders formulieren?"

Ich: Du hast ihn gebeten, die Trennung anders zu formulieren?

Freundin: 😢

Ich: Und was hat er gesagt?

Freundin: "Es ist aus."

Ich: Und dann du?

Freundin: "Okay."


Bei der Existenzgründerberatung

Beraterin: Bevor wir beginnen, Frau Steeg, möchte ich Ihnen gerne noch einen Rat geben. Ich bin selbst Mutter einer Tochter, und deshalb ist es mir wichtig, in dieser Hinsicht ganz deutlich zu werden.

Ich: Oh, oh.

Beraterin: Sie dürfen in nächster Zeit unter keinen Umständen schwanger werden.

Ich: Wie bitte?

Beraterin: Egal, wie gut es laufen wird – und am Anfang wird es vermutlich sowieso nicht so gut laufen, diese Stadt quillt über vor Journalisten: Sie dürfen sich nicht täuschen! Werden Sie schwanger, können Sie ganz schnell in die Armut rutschen.

Ich: Ich habe überhaupt nicht vor, schwanger zu werden.

Beraterin: Dann ist ja gut.

Ich: Aber würde ich es doch, gäbe es ja vermutlich auch einen Mann. Also den Vater.

Beraterin: Sind Sie verheiratet?

Ich: Nein.

Beraterin: Eben.

Ich: Aber vielleicht würde ich dann ja heiraten.

Beraterin: Haben Sie einen festen Freund?

Ich: Nein.

Beraterin: Eben.

Ich: Aber wenn ich schwanger würde, hätte ich bestimmt einen festen Freund oder Verlobten oder Mann, und der würde sich dann mit mir um das Kind kümmern.

Beraterin: Und wo wollen Sie diesen ominösen künftigen Ehemann und Vater Ihres Kindes so plötzlich hernehmen?

Ich: Ich weiß nicht, aber ...

Beraterin: Eben.

Ich: Ich wollte doch gar nicht ...

Beraterin: Werden Sie einfach vorerst nicht schwanger, Frau Steeg, das ist ja jetzt auch nicht so schwer.

Bar gegen 2 Uhr nachts, Gespräch mit einem betrunkenen Bekannten.

Bekannter: Naaa, Lena, immerno Single?

Ich: Hey, lange nicht gesehen, wie geht’s?

Bekannter: Immerno Single?

Ich: Ach so, ja, aber alles in Ordnung.

Bekannter: Chkann dir sagen, woranz liegt.

Ich: Das weiß man doch in Wahrheit nie so genau, das ist ja auch Glück. Was trinkst du denn da?

Bekannter: Dumachsir su viel Gedanken.

Ich: Da ist bestimmt was dran. Ich hol mir auch mal einen neuen Drink, ja?

Bekannter: Lena, dumachsir su viele Gedanken!

Ich: Okay.

Bekannter: Du denkst suviel nach!

Ich: Tja.

Bekannter: Du frags dich su oft, ob du glücklich bis.

Ich: Das fragt sich doch jeder, oder?

Bekannter: Nein! Nein. Ich frage mich das nichmehr. Ich habe aufgehört, mich su fragen, ob ich glücklich bin, und seither bin ich total glücklich. TO-TAL!

Ich: Das ist schön.

Bekannter: Wir heiraten jetzt auch.

Ich: Ehrlich? Wow, Glückwunsch!

Bekannter: Und’s spielt gakeine Rolle, ob ich damit glücklich bin.

Ich: Na ja, so ein bisschen schon, oder? Ich hol uns mal einen Drink zum Anstoßen. Was trinkst du denn gerne?

Bekannter: Dumachsir su viel Gedanken!