Wasser ist ein kostbarer und manchmal sogar richtig teurer Stoff. Vom Leitungs-, über Tafel- bis zum Mineralwasser steigen die Preise. Und selbst bei Flaschenwasser existieren gewaltige Spannen von der Discounter-Hausmarke bis hin zu den reinsten, edelsten und nassesten Wassern, die der Wildnis Lapplands, norwegischen Gletschern oder tasmanischen Regenwolken abgerungen werden müssen, um den Durst von anspruchsvollen Mitgliedern der Gourmet-Schickeria zu stillen.

Aber auch das lässt sich steigern. Apotheken zum Beispiel verkaufen Gesichtswasserspray verschiedener, meist französischer Anbieter wie La Roche-Posay. Die füllen etwas aus ihrer örtlichen Heilquelle in Sprühdosen. Andere – wie Evian – verwenden das Wasser, das sie normalerweise in Trinkflaschen verkaufen. Solche Produkte kosten dann um die 28.000 Mal mehr als herkömmliches Leitungswasser und immer noch zehn- bis zwangzigmal mehr als die richtig teuren Mineralwässer. Sie sehen aus wie kleine Deospraydosen und funktionieren auch so: Vors Gesicht halten, den Knopf drücken, zischen lassen, Aaaaaah!

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 4 vom 21.1.2016.

Ist ja keineswegs so, dass man bei Bedarf nicht im Waschraum verschwinden oder bei Nieselregen kurz rausgehen könnte. In Notfällen täte es auch eine Flasche Sprudelwasser: Kurz schütteln, öffnen und einen ähnlich erfrischenden Effekt genießen – zwar weniger kontrolliert, dafür aber deutlich billiger. Produziert außerdem weniger Müll.

Auf seiner 50-Milliliter-Dose behauptet La Roche-Posay, das Sprühwasser wirke "beruhigend und besänftigend". Keine neue Erkenntnis. Polizisten vertrauen bei deeskalierenden Großeinsätzen schon lange auf die beruhigende und besänftigende Wirkung von Wasserwerfern. Damit lassen sich Unannehmlichkeiten ganz einfach hinwegspülen. Und anschließend wirkt alles wie frisch gereinigt.